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sich die Gestehungskosten des einzelnen Stückes um so
viel vermindern, als der Unterschied zwischen der Prämie
und dem tatsächlichen Lohnsatz jener Mehrleistung beträgt.
Das Lohnprämien-System hat sich bis jetzt im allgemeinen
bewährt, wie dies jeder Methode eigen ist, die mit legitimen
Mitteln auf den legitimen Erwerbssinn anspornend zu wirken
sucht. Doch auch damit ist der Stein der Weisen nicht
gefunden, dessen Besitz ein Schutzmittel wäre gegen die
Betonung einer von dem Gemeininteresse sich sondernden
spezifischen Wirtschaftspolitik der organisierten Arbeiter
schaft. Bereits beginnt ein Teil der Arbeiterorganisationen
auch gegen das Prämiensystem Front zu machen, dem man
— vom Gesichtspunkte einer prinzipiellen Bekämpfung des
Akkordlohnes nicht ohne Grund — vorwirft, daß es alle
Nachteile des Stücklohnes für den Arbeiter in sich schließe,
ohne wie beim reinen Akkordsystem dem Arbeiter wenigstens
dann auch den vollen Ertrag seiner Mehrleistung zu sichern.
Mit Recht wird weiterhin, und nicht von seiten der Arbeiter
allein, darauf hingewiesen, daß sich das Prämiensystem zwar
während guter Zeiten im Interesse einer Produktionssteige
rung bewähre, daß es aber bei weichender Konjunktur ge
eignet sei, Überangebot wie Arbeitslosigkeit zu vermehren.
Die amerikanischen Löhne sind trotz der vielfach
kürzeren Arbeitszeit im Durchschnitt dreimal so hoch
wie die bei uns gezahlten. Auch darauf ist wieder
holt hinzuweisen, daß die amerikanischen Arbeiter sich
zu Qualitätsarbeitern ausgebildet haben, daß sie — oft auf
einem erstaunlich engen Feld — zu wirklichen Spezia
listen herangewachsen sind, sei es in der Bedienung von
Maschinen, sei es in der Vorarbeit für Maschinen, sei es
in der Beendigung einer von Maschinen bis zu einem ge
wissen Punkt gefertigten Arbeit. Die Griffsicherheit der
amerikanischen Arbeiter ist erstaunlich. Auf der andern