Full text: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

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womöglich noch unter die heimatlichen Anforderungen 
hinab, um eine Ersparnis zu erzielen, die für Amerika un 
bedeutend ist, für die Anschauungen und Verhältnisse ihres 
Geburtslandes aber schon ein kleines Vermögen darstellt, 
das sie beinahe zu Kapitalisten macht und in die Gentry 
des Pauperismus einreiht. Österreicher, insbesondere aus 
den slawischen Volksstämmen, Russen orthodoxer wie 
katholischer und mosaischer Konfession, Iren und Italiener 
stellen das Hauptkontingent zu dieser Klasse, von der aller 
dings ein erheblicher Teil, in gesundheitswidriger Weise 
innerhalb ihrer Viertel zusammengepfercht, bei ungenügender 
Ernährung frühzeitig den Anstrengungen der Beschäftigung 
und dem oft ungewohnten Klima unterliegt. Der amerika 
nische Arbeiter dagegen sorgt durch ausreichende und bei 
nahe gewählte Nahrung und durch gesunde Wohnung für Er 
haltung seiner Kraft, deren erbedarf, um die erforderte Leistung 
zu bewältigen und sich oder seinen Kindern die Möglich 
keit zum Vorwärtskommen, zum Übertritt in die Klasse der 
wirtschaftlich Selbständigen so schnell wie irgend tunlich 
zu verschaffen. Ist doch in ihm das Bewußtsein lebendig, 
daß nicht wenige der großen Industrie- und Handelsmänner 
des Landes selbst aus der Klasse der Vermögenslosen her 
vorgegangen sind und täglich neu hervorgehen, ebenso wie 
er weiß, daß mancher, der heute Hunderttausende im Ver 
mögen besitzt, vielleicht schon morgen wieder genötigt ist, 
als Arbeiter oder Angestellter von vorn anzufangen. Deshalb 
und ferner weil in Erziehung, Unterricht und im sozialen Ver 
kehr Klassen- und Kastenunterschiede nur in beschränktem 
Umfange existieren, erweckt der Luxus, den sich der Be 
gütertere gestatten kann, im Amerikaner kein Neidgefühl, 
das ihn mißvergnügt und unlustig macht, sondern eröffnet 
seinem Optimismus immer wieder die Zuversicht, es recht 
bald oder erneut zu ähnlichen Glücksumständen bringen zu
	        
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