Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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und  Geweben  auch  herunter  bezw.  hinauf,  und  zwar  in  stärkerem
Maße.  Um  das  erkennen  zu  können,  muß  man  schon  die  Preisbewegung ­
  innerhalb  eines  Jahres  studieren  und  dabei  auch  das  Verhältnis ­
  der  Preislinie  zur  Durchschnittslinie  im  Auge  behalten.
Die  Darstellung  der  Garn-  und  Rohstoffpreise  läßt  —  worauf
schon  früher  hingewiesen  wurde  —  bei  flüchtiger  Betrachtung  besonders ­
  eins  erkennen:  die  Marge  hat,  wenn  man  von  einem  oder
zwei  Ausnahmejahren  absieht,  beständig  sinkende  Tendenz.  Von  1880
bis  1902  ist  sie  beispielsweise  gefallen  bei  Garn  No.  36/42  von  85
auf  5q  Pfennige  und  bei  Garn  No.  20/20  von  67  auf  59  Pfennige.
Diese  letzte  Ziffer  würde  noch  niedriger  ausfallen,  wenn  der  Garnpreis ­
  zu  einer  besseren  Baumwollsorte,  etwa  „Fully  good  Oomra“,  in
Beziehung  gesetzt  würde.  Da  zu  den  Preisen  für  Baumwolle  loko
Bremen  noch  Fracht  und  Spesen  bis  zur  Spinnerei  hinzukommen,
außerdem  auf  mindestens  12  °/o  Abgang  gerechnet  werden  muß,  so
kommt  die  Baumwolle  dem  Spinner  tatsächlich  um  etwa  15%  teurer
zu  stehen,  als  aus  der  Darstellung  ersichtlich.  Das  Sinken  des  Fabrikationsgewinnes ­
  ist  also  recht  bedenklicher  Natur.  Den  größten
Druck  auf  die  Preisbildung  übt,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Haltung
der  Rohstoffmärkte  und  dann  die  unbeschränkt  fortwuchernde  Überproduktion ­
  aus.  Eine  gewisse  Konstanz  der  Preise  ist,  wenn  überhaupt, ­
  nur  mittelst  einer  Übereinkunft  der  interessierten  Kreise  zu
erreichen.
Daß  solche  Vereinbarungen  schon  recht  frühzeitig  geschlossen
wurden,  wird  das  nächste  Kapitel  lehren.

Kapitel  VIII.
Organisationsbestrebungen.  Arbeiterverhältnisse.

Bei  einer  früheren  Gelegenheit  (S.  11)  konnten  wir  erwähnen,
daß  bereits  1772  die  Innung  der  Baumwollwarenhändler  Plauens  mit
einigen  Innungsverwandten  des  Vogtlandes  eine  Art  Preiskonvention ­
  zur  Festsetzung  von  Minimalpreisen  abschloß,  um  einer  unberechtigten ­
  Preisdrückerei  zu  wehren.  Es  war  das  ein  Akt  der  Selbsthilfe, ­
  wie  ihn  erst  die  Gegenwart  wieder  häufiger  vor  unseren  Blicken
entrollt.  Das  hängt  damit  zusammen,  daß  inzwischen  die  Formen
des  wirtschaftlichen  Lebens  andere  geworden  sind.  Die  Produktion
Abhandlungen  d.  staatsw.  Seminars  z.  Jena,  Bd.  III,  lieft  3.  0
Lochmüller,  Entwicklung  der  deutschen  Baumwollindustrie,
            
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