Königsberg (Pr.), im Juli 1926,
Vorwort.
Am 15, Juli 1925 ist ein neuer direkter Tarif für den deutsch- und litauisch-
sowjetischen Eisenbahngüterverkehr, also für den Verkehr zwischen Deutschland
und. der Sowjetunion im Durchgang durch Litauen und Lettland oder im Durch-
gang durch Litauen, Lettland und Estland, in Kraft getreten. Dieser Tarif hat
nach jahrelanger Pause wieder die Entwicklung eines starken Eisenbahngüter-
verkehrs zwischen Deutschland und der Sowjetunion ermöglicht, wie er auch im
Frieden bestanden hatte.
Der Tarif ist zum 15. Juli 1926 neu herausgegeben worden. Die Neuausgabe,
die an Stelle der außer Kraft tretenden Ausgabe vom 15. Juli 1925 getreten ist, ist
bei der Auskunftei der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Berlin, Bahnhof Alex-
anderplatz oder bei der Reichsbahngüterabfertigung Königsberg Pr. Ost käuflich
zu erhalten und wird hier als bekannt vorausgesetzt.
Der Tarif gibt einmal die Möglichkeit, sämtliche Güter unter Frachtberech-
nung nach den Sätzen der Binnentarife (Tarifnummer 1) direkt abzufertigen, und
enthält außerdem für die wichtigsten 155 Güter direkte Frachtsätze unter zum Teil
recht erheblicher Ermäßigung der Binnentarife (Tarifnummern 2—156). Die
direkten Frachtsätze sind für die litauischen und lettischen Durchigangsstrecken
in amerikanischer Dollarwährung angegeben, die .Frachten für die Strecken der
Reichsbahn und der Sowjetunion durch Bezeichnung der anzuwendenden Klasse
der Binnentarife unter Angabe der abzuziehenden prozentualen Ermäßigung.
Hierbei sei bemerkt, daß für die Strecken der Sowjetbahnen für den direkten Ver-
kehr nicht der jetzt geltende Binnentarif, sondern der Binnentarif von 1924 an-
zuwenden ist, der für die meisten Güter erheblich günstiger ist.
Die Neuausgabe des "Tarifs vom 1. Juli 1926 enthält in Anlage 1 und 2? für
die deutschen und russischen Strecken Tabellen mit den ausgerechneten Frach-
sätzen, so daß die Firachten ohne Zuhilfenahme der Binnentarife abgelesen wer-
den können. Diese Neuerung ist außerordentlich zu begrüßen und wird sicherlich
zu einer weiteren Hebung des Verkehrs beitragen.
Für die Strecken der Reichsbahn sind allerdings in der Anlage 1 nur die
Frachtsätze von und nach| Stationen Ostpreußens enthalten, da der direkte Tarif
sich infolge des polnischen Korridors zunächst noch auf Ostpreußen beschränkt.
Es besteht aber die Möglichkeit, auch im Verkehr zwischen dem übrigen Deutsch-
land und der Sowjetunion Güter im Wege der eisenbahnseitigen Umbehandlung
zu befördern, wobei die Fracht für die gesamte deutsche Strecke durchgerechnet
und entsprechend dem Tarif ermäßigt wird. Ueber die Einzelheiten des Verfah-
rens, das sich in jahrelanger Uebung bewährt hat, geben die Güterabfertigungs-
stellen der Reichsbahn und auch die Reichsbahndirektion Königsberg Auskunft.
Es hat sich nun das Bedürfnis herausgestellt, auch für den Verkehr zwi-
schen. dem übrigen Deutschland und der Sowjetunion die Frachten ohne Zuhilfe-
nahme der Binnentarife feststellen zu können. Um diesem Bedürfnis gerecht zu
werden, haben wir uns auf vielfachen Wunsch entschlossen, die folgende Zu-
sammenstellung der Entfernungen und Frachtsätze von 281 der wichtigsten Sta-
tionen des übrigen Deutschland herauszugeben, aus der die deutsche Fracht in der
gleichen Weise abgelesen werden kann, wie dies die Anlage 1 des Tarifs für die
ostpreußischen Stationen ermöglicht. Diese Zusammenstellung gestattet in Ver-
bindung mit dem Tarif ohne weitere Hilfsmittel die Feststellung der Fracht für
die gesamte deutsche Beförderungsstrecke.
Wir hoffen hiermit zur Erleichterung des Eisenbahnverkehrs zwischen
Deutschland und der Sowjetunion beizutragen.
Wirtschaftsinstitut für Rußland und die Oststaaten E.V. in Königsberg.