Metadata: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
ein zukünftiges Ideal; Smith jedoch entdeckt ihren Mechanismus und 
beschreibt ihr Räderwerk. Die Nationalökonomie, die bei Quesnay 
noch in der Hauptsache ein Rechtssystem war, nimmt bei ihm den Cha 
rakter einer Naturwissenschaft an, die sich auf die Beobachtung und die 
Analyse der Wirklichkeit gründet. — In einem berühmten Satze führt 
Smith selbst mit seiner gewöhnlichen Einfachheit aus, wie sehr seine 
Auffassung der der Physiokraten überlegen ist: „Gewisse theoretisierende 
Ärzte scheinen sich eingebildet zu haben, daß die Gesundheit des mensch 
lichen Körpers nur durch eine genau bestimmte Diät und Bewegung 
erhalten werden könne, und daß jede, auch die kleinste Abweichung 
davon notwendig einen Grad von Krankheit oder Unpäßlichkeit ver 
ursachen müsse, der dem Grade der Abweichung angemessen sei ... • 
Qüs^nay, der selbst Arzt, und zwar ein theoretisch sehr interessierter 
Arzt war, scheint von dem Staatskörper einen ähnlichen Begriff gehabt 
und sich eingebildet zu haben, daß derselbe nur bei einer gewissen, genau 
bestimmten Diät, bei der strengen Diät vollkommener Freiheit und voll 
kommener Gerechtigkeit, blühen und gedeihen könne. Es scheint, daß 
er nicht in Erwägung zog, wie in dem Staatskörper das natürliche Be 
streben jedes Menschen, ssine Lage zu Verbessern, ein Prinzip der Selbst 
erhaltung ist, wodurch die schlimmen Folgen einer parteiischen und drücken* 
den Staatswirtschaft mannigfach abgewendet und erleichtert werden 
können. Eine solche politische Ökonomie hält zwar den natürlichen Fort 
schritt einer Nation zu Reichtum und Wohlstand mehr oder wenige 1 
auf, aber sie ist doch nicht immer imstande, ihn gänzlich zu hemmen 
oder wohl gar rückgängig zu machen. Wenn eine Nation ohne den Genuß 
vollkommener Freiheit und vollkommener Gerechtigkeit nicht gedeihen 
könnte, so gäbe es in der ganzen Welt keine Nation, die es hätte zum 
Wohlstand bringen können. Die Weisheit der Natur hat aber in den 
Staatskörper glücklicherweise reichliche Mittel gelegt, so manche schlimm 0 
Folgen menschlicher Torheit und Ungerechtigkeit zu heilen, gerade wie 
sie auch dem menschlichen Körper die Mittel verliehen hat, die üble 11 
Folgen der Trägheit und Unmäßigkeit abzuwenden“ 1 ). 
Diese Ausführungen bringen uns dazu, jetzt den zweiten Grund 
gedanken Smith’s zu besprechen: die Vortrefflichkeit der spontan ent 
standenen wirtschaftlichen Einrichtung. Die Idee von der Selbstent- 
stehung und die von der Vortrefflichkeit der wirtschaftlichen Einrich' 
tungen muß, wie wir gesagt haben, der Geschichtsschreiber der Dok 
trinen voneinander unterscheiden. Bei Smith gehen sie ineinander übe f ' 
Sein Naturalismus ist eins mit seinem Optimismus, und in demselben 
*) Völkerreichtum II, S. 151—152, B. IV, Kap. IX.
	        
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