Object: Wirtschaftlichkeitslehre

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Es ist ein erfreuliches Zeichen wachsender sozialer Einsicht 
auch in Österreich, daß vor kurzem zwei Vorschläge zur Gewinn- 
und :Kapitalsbeteiligung der Arbeit- und Dienstnehmer erstattet 
wurden. Ein Vorschlag stammt von dem Organisationsfachmanne 
Johann Grimeisen (in »Volkswohl«, November 1927), der, im 
Gegensatze zu Amerika, unseren andersgearteten Verhältnissen ent- 
sprechend, keine »Arbeiteraktien«, sondern kleine, verlosbare Genuß- 
scheine empfiehlt, die den Charakter von Industrieobligationen 
hätten und mit hypothekarischer Sicherstellung auszustatten wären. 
Den zweiten Vorschlag machte Rechtsanwalt Dr. Max Neuda (in 
sinem an den Verfasser gerichteten Schreiben), der davon ausgeht, 
daß zwar die bestehenden Gesetze die Ausgabe solcher Arbeiter- 
prioritäten (Obligationen) zulassen (allerdings mit staatlicher Ge- 
nehmigung), daß aber zum Anreize ein eigenes Gesetz über 
diesen Gegenstand geschaffen werden söllte, welches einfach und 
klar verfaßt, Verzinsung, Laufzeit, Sicherstellung und Übertragbarkeit 
dieser Obligationen, ferner das Recht ihrer Inhaber (oder ihres Aus- 
schusses) auf Büchereinsicht und Rechnungsprüfung, aber auch 
ihren Einfluß auf die Gebarung zu regeln hätte, um z. B. zu ver- 
hindern, daß die Angestellten hilflos einer frivolen Verwirtschaftung 
des Unternehmens zusehen müssen. Besonders wertvoll wäre es, 
wenn die für die Angestelltenbeteiligung ausgeworfenen Mittel der 
Gesellschaft bei der Bemessung der Körperschaäftssteuer in Ab- 
zug gebracht und die Abfertigung von derart beteiligten An- 
gestellten entfallen würde, die eben durch die Realisierung der 
Obligationen entschädigt werden könnten. Wie immer man das 
neue Institut konstruiert, wesentlich daran ist, daß der beteiligte 
Angestellte (Arbeiter) gewöhnt wird, sich als Mitunternehmer zu 
betrachten, dadurch zu erhöhter Arbeitsfreude, zu werktätigem Inter- 
asse am Betriebe erzogen und damit der gesamten Volkswirtschaft 
wertvolle positive Dienste geleistet werden. 
In den letzten Jahren befaßten sich zahlreiche Volkswirte und 
auch Politiker in Deutschland einläßlicher mit dem Beteiligungs- 
orobleme, u. zw. äußerten sie sich fast durchwegs in zustimmendem 
Sinne. Wir könnten eine lange Reihe solcher Äußerungen zitieren, 
so von Georg Bernhard, Direktor Guggenberg (Essen), Caledon, 
Stinnes, Dr. Silverberg u. a. m. Stinnes (Weltwirtschaftszeitung 1923) 
dolemisierte gegen die zwangsweise Planwirtschaft und trat ‘statt 
'hrer dafür ein, daß die Arbeiter zu Teilhabern der Unternehmungen,
	        
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