Pflanzliche Speisefette und -öle.
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dazu verwendet, um den gesamten Niederschlag auf das Filter zu bringen. Filter
mit Niederschlag wäscht man dreimal mit je 10 ccm 90%-igem und dann
mehrmals mit 70°/ o -igem Alkohol aus. Den Rückstand löst man mit siedendem
ahsol. Alkohol vom Filter in einen Erlenmeyer-Kolben, destilliert den Alkohol ah
und löst den Rückstand wiederum in 100 ccm 90 °/ 0 -igem Alkohol; darauf verfährt
man nochmals in genau derselben Weise wie vorher. Schließlich löst man die
Fettsäuren wiederum in absol. Alkohol, verdunstet den Alkohol, trocknet den
Rückstand 1 Stunde lang bei 100° und wägt ihn. Hierauf wird der Schmelzpunkt
der Fettsäuren im Kapillarrohr bestimmt, der in der Regel bei 74—75,5° ge
funden wird.
Behufs Berechnung des Gehaltes an Erdnußöl in einem Ölgemische ist
zu berücksichtigen, daß die Erdnußöle 4,30—5,40 °/ 0 , im Mittel etwa 4,80 °/ 0 des
wie vorstehend gewonnenen Fettsäurengemisches (Arachinsäure + Lignocerinsäure)
enthalten und daß die Löslichkeit des letzteren in 90 °/ 0 -igem Alkohol — in 70 °/ 0 -igem
Alkohol ist es unlöslich — folgende ist:
Menge des Fettsäuren-Gemisches 100 ccm 90 »/„-igen Alkohols lösen bei
von 74—75,5° ' 150 17,5° 20°
a) bis 0,11 g 0,033 g 0.040 g 0,045 g.
b) 0,17—0,47 g 0,050 „ 0,060 „ 0,070 „
c) 0,50—2,70 „ 0,070 „ 0,080 „ 0,090 „
Man erhält daher den Gehalt der angewendeten 20 g des betr. Öles an
Erdnußöl, indem man zu der gefundenen Fettsäurenmenge die Korrektur für die in
dem verwendeten 90°/ 0 -igen Alkohol in Lösung gebliebene Fettsäurenmenge hinzu
addiert und durch 0,048 dividiert.
Die Ergebnisse dieser Berechnung des Gehaltes an Erdnußöl sind nur annähernde.
°sollen indeß nach Tortelli und Euggeri in Olivenöl noch bestimmbar sein. Man kann
. 16 Empfindlichkeit des Verfahrens erhöhen, wenn man bei geringen Ausscheidungen nur
Jedesmal 50 ccm 90°/ 0 -igen Alkohol zur Kristallisation verwendet oder größere Mengen
betr. Öles in Arbeit nimmt.
Um zu entscheiden, ob man tatsächlich Arachinsäure oder Lignocerinsäure vor sich
at i bestimmt man den Schmelzpunkt der Fettsäuren; dieser beträgt bei:
Palmitinsäure Stearinsäure Arachinsäure Lignocerinsäure
62,6° 70,0—71,5° 77» 80,5°.
Die Jodzahl des Erdnußöles ist bis jetzt zwischen 83,3—105,0 gefunden
worden, sie liegt in der Regel zwischen 85 und 102.
Zu berücksichtigen ist noch, daß in Fabriken, die Erdnußöl und Sesamöl mit den
selben Maschinen und Preßtüchern herstellen, bei Erdnußölen häufiger die sehr empfindliche
. i * u ^ ou insche Reaktion auf Sesamöl (S. 586) auftritt, während die Soltsiensche Zinn-
® orürreaktiou (S. 586) in solchen Fällen, wenn es sich um bei ordnuugmäßigen Betrieben
&ewonnene Öle handelt, nicht einzutreten pflegt. 1 )
3. Sesamöl.
aoc.r.nm orientale und S. indicum. Es enthalt
Sesamöl ist das öl der Samen von Se Q zwe - wo y gekennzeichnete
außer Phytosterin in dem Unverseifbaren ( .,o ,^Jo kristallisierende) bei 123°
Körper, von denen der eine, das Ses ’ . hohe Rechtsdrehung des Öles
schmelzende Nadeln bildet und die verhältmsma g Kreis 2 ) für einen
(vergl. S. 5251 verursacht, während der zweite, ein öl, das H.
1 ) Vergl. A. J. J. Wijs in Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
^02, 5, 1150 u. G. Fendler ebenda 1903, 6, 411.
2 ) Chem.-Ztg. 1903, 27, 1030.