VII.
Die Konzentration im schweizerischen Bankwesen
und ihre Folgen für die Lokal- und Mittelbanken.
1. Allgemeines.
Die Länder mit einer hochentwickelten modernen Volkswirtschaft
haben heute alle auch in mehr oder weniger starkem Grade die Erscheinung
der Konzentration in Industrie und Kreditwesen. Auch wir in der Schweiz
kennen das Problem, und eine bald zehnjährige Entwicklung hat namentlich
in den zwei letzten Jahren, 1912 und 1913, zu einer bedeutenden Verstärkung
der ganzen Bewegung geführt. Wir haben uns in dieser Arbeit
nicht mit dem Gesamtproblem zu befassen, namentlich nicht, soweit es die
Machtverstärkung der Grossbanken durch Kapitalerhöhung und Dezentralisation
durch Filialgründung anbetrifft, uns interessiert hier vor allem
die Rolle, die die Lokal- und Mittelbanken bisher der Bewegung gegenüber
eingenommen haben. Geht doch die ganze Entwicklungstendenz nach allgemeiner
Ansicht dahin, in erster Linie die Existenz der kleinen und mittleren
Institute zu gefährden.
Die allgemeinen Gründe, die für die ganze Konzentrationsbewegung
angeführt werden, sind kurz folgende: Die Grossbank mit ihrer
Kapitalmacht und ihrem Filialsystem kann ihr eigenes Kapital besser
verwenden und fremde Gelder leichter an sich ziehen. Ihre Ubiquität
gestattet ihr, unabhängiger von lokalen Krisen und Störungen des Wirtschaftslebens
zu bleiben und damit eine Stabilität zu gewinnen, die der
Lokalbank versagt bleiben muss. Sie geniesst wegen ihrer bedeutenden
eigenen Mittel und ihren Verbindungen mit der ersten Einanzwelt einen
grossen Kredit, und das Zutrauen zu ihr wird nicht leicht erschüttert. Sie
kann der zum Grossbetrieb sich entwickelnden Industrie und dem Grosshandel
die nötigen Blankokredite geben und zieht so das rentabelste Geschäft
an sich. Es ist ihr möglich bei Niedrighaltung des einzelnen Gewinnes doch
die gwünschte Rentabilität zu erreichen und so in jeder Beziehung kulanter
zu sein, als die kleine Bank. Nur sie kann ein Effektengeschäft grossen Stils