Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Lebens  noch  Freude  und  inneres  Bedürfnis,  für  andere  zu  sorgen
und  zu  schaffen.  Peinlich  ordnungsliebende  und  sorgsame  Hausfrau, ­
  Willensstärke  Herrscherin  im  eigenen  Hause,  war  sie  ihren
Dienstboten  stets  eine  freundliche,  rücksichtsvolle  Herrin,  dem
Geschäftspersonal  eine  mitfühlende,  für  ihr  Wohl  und  Wehe
stets  empfängliche  Prinzipalin.  So  lange  sie  —  bis  1900  —  im
alten  Geschäftshause  Ecke  Marzellenstraße  und  Bahnhofstraße
wohnte,  hatte  sie  für  jeden  der  älteren  Leute,  die  sie  kannte,
ein  freundliches  Wort.  War  ein  gequetschter  Finger  zu  verbinden
oder  ein  Loch  im  Kopfe  zuzunähen  —  Ereignisse,  die  bei  den
vielen  Arbeitsjungen  der  Druckerei  ab  und  zu  unausbleiblich
waren  —  flugs  war  Frau  Catharina  Bachem  mit  ihrem  Pflasterkasten ­
  zur  Stelle,  und  ein  Chirurge  hätte  seine  Sache  kaum
besser  machen  können.  Ihrem  ältesten  Sohne  hat  sie  in  jungen
Jahren  einmal  eine  durch  einen  Fall  hervorgerufene  Kopfwunde ­
  kurz  entschlossen  selber  kunstgerecht  vernäht.  Als  der
Hausarzt  dazukam,  erklärte  er  ihr,  es  nicht  besser  zu  können.
Frau  Catharina  Bachem  war  stets  teilnahmsvoll  gegenüber
den  Bedrückten  und  Bedrängten;  wo  wirkliche  Not  oder
öffentliche  Wohltätigkeit  an  sie  herantraten,  gab  sie  gern  und
reichlich.
Ebensogern  aber  war  sie  fröhlich  mit  den  Fröhlichen.  Hatte
Josef  Bachem  seine  politischen  und  theologischen  Berater  und
Mitarbeiter,  was  mehrmals  im  Jahre  zu  geschehen  pflegte,  zu
sich  zu  gemütlicher  Abendtafel  geladen,  dann  war  sie  als  liebenswürdige ­
  Gastgeberin  in  ihrem  Element.  Mit  lebhafter  Anteilnahme ­
  beteiligte  sie  sich  an  den  ernsten  politischen  Gesprächen.
Wenn  aber  alsdann  die  Geistesfunken  rheinischen  Humors  in
Stücklein  und  „Krätzchen“  fröhlich  sprühten,  wie  sie  die  Seminar-Professoren
  Dr.  Heuser  und  Dr.  Scheeben,  Kaplan  Ditges  u.  a.
•m  Verein  mit  den  anwesenden  Mitgliedern  der  Redaktion  hin
und  her  zu  senden  wußten,  dann  erfreute  sich  an  diesem  lustigen
Feuerwerk  niemand  herzlicher  als  „Frau  Cathrinchen“.  Ihre
großen  dunklen  meist  ernsten  Augen  konnten  dabei  Tränen
lachen.
Sonstigem  geselligen  Verkehr  opferte  sie  wenig  Zeit  und  hatte
auch  wenig  dafür  übrig.  „Ich  habe  meine  Gesellschaft  und  meine
Vereine  im  Hause“,  äußerte  sie  oftmals.  Kaffeekränzchen  und
das,  was  auf  diesen  verhandelt  zu  werden  pflegt,  lagen  ihr  nicht,
um  so  mehr  aber  alle  Erscheinungen  und  Begebenheiten  des
            
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