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Hauptes unsrer Wissenschaft, August Böckhs, anführe:
„Der Begriff des Staates sei nach ihm notwendig dahin
zu erweitern, daß der Staat die Einrichtung sei, in welcher
die ganze Tugend der Menschheit sich verwirklichen solle."
Vor allem aber sei die entwickelte Staatsidee die Idee
des Arbeiterstandes zu nennen. Denn wenn auch jeder
andre durch Einsicht und Bildung sich zu dieser Erkennt
nis erheben könne, so liege sie dem Arbeiterstande durch
die hilflose Lage, in welcher sich seine Mitglieder als
einzelne befinden, schon instinktmäßig, schon materiell
und ökonomisch nahe.
Diese ökonomische Lage erzeuge notwendig in diesem
Stande den tiefen Instinkt, daß es die Bestimmung deö
Staates sei und sein müsse, dem einzelnen durch die Ver
einigung aller zu einer solchen Entwicklung zu verhelfen,
zu der er als einzelner nicht befähigt wäre.
In der Tat aber stelle diese sittliche Staatsidee nicht
eine solche dar, die nicht auch bisher schon die treibende
Idee des Staates gewesen. Sondern im Gegenteil,
dies sei, wie schon aus dem vorigen folge, seit je die nur
unbewußte Natur des Staats gewesen, die sich durch
den vernünftigen Zwang der Dinge auch ohne den
Willen des Staates, auch gegen den Willen seiner
Leiter mehr oder weniger immer ausgeführt habe.
Indem die Idee des Arbeiterstandes als die herrschende
Idee des Staates ausgestellt werde, werde also nur, was
auch bisher schon seit je die dunkle organische Natur des
Staates gewesen, zur Erkenntnis gebracht und zum
bewußten Zwecke der Gesellschaft herausgerungen.
Dies ist die große Kontinuität und Einheit aller
menschlichen Entwicklung, daß nichts Neues in sie hinein-