Object: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Handel und Verkehr im Altertum. 
Wenngleich das Volk der Römer weder eine große Neigung für die Seeschiffahrt 
noch im allgemeinen für den Handel an den Tag legte, fo war es doch berufen, für den 
Landverkehr die bedeutendsten Schöpfungen hervorzubringen, welche das Altertum auf 
diesem Gebiete überhaupt zu verzeichnen hat. In einem späteren Abschnitte wird bei 
den Einzelheiten des gewaltigen römischen Straßennetzes etwas eingehender zu verweilen 
sein, hier genüge es hervorzuheben, daß die römischen Heerstraßen zur Zeit des Kaiser 
reichs, nur durch das Meer unterbrochen, sich vom Piktenwall in Britannien bis nach 
Hierasycaminos in Ägypten (unter dem Wendekreis des Krebses belegen) in einer Gesamt 
ausdehnung von über 75 000 km und von den Säulen des Herkules bis an den 
Euphrat erstreckten. In Anlehnung an das von den Persern gegebene Vorbild schufen 
die Römer im Anfange des Kaisertums eine einheitliche Staatspost, den vursus publions. 
Diese Verkehrseinrichtung diente zwar ausschließlich den Interessen des Staates, dennoch 
war sie für das allgemeine Verkehrswesen nicht ohne Bedeutung. Sie zeigte, welche 
Bewegungsleistungen bei guten Vorkehrungen möglich waren, und sie trug somit zu der 
gesamten Entwickelung des Verkehrs bei. War auch bei der Schaffung der gleichsam 
für die Ewigkeit bestimmten römischen Heerstraßen das militärische Interesse ausschlag 
gebend, so wurden doch diese Straßen in ähnlicher Weise, wie solches für die heiligen 
Straßen Griechenlands zutrifft, dem Handel dienstbar gemacht, und erwiesen sich für 
diesen von großem Werte. Der Handel erlitt nur durch die Zollschranken der einzelnen 
Provinzen eine Hemmung, im großen und ganzen konnte er sich unbelästigt über eine 
ungeheuer große Fläche ausdehnen. Reges Leben herrschte auf den Heerstraßen. Zu 
Fuß, meistens jedoch zu Pferde oder im Wagen zogen die Reisenden dahin, begleitet von 
einer mehr oder minder großen Schar von Sklaven. Kostbare, mit Gold, Silber und 
Seide geschmückte Wagen nahmen die vornehmen Reisenden auf. 
Die Reisen zu Roß wurden bis zum 4. Jahrhundert auf ungesatteltem Pferde 
zurückgelegt, und hierauf ist es zurückzuführen, daß an den Straßen entlang Steine 
aufgestellt waren, mit deren Benutzung das Pferd bestiegen werden konnte. Sowohl 
Männer wie Frauen reisten zu Pferde, wobei die letzteren ebenfalls rittlings saßen. 
(Erst Anna von Luxemburg, die Tochter Kaiser Wenzels und Gemahlin Richards II. 
von England, führte aus Anstandsgründen um das Jahr 1380 die gegenwärtige Sitz 
weise der Damen zu Pferde ein.) 
Benutzten die Frauen keine Reittiere, so ließen sie sich in der Sänfte tragen. Das 
Reiten blieb jedoch während des ganzen Mittelalters die am meisten übliche Reiseweise. 
Bis zum 15. Jahrhundert, und namentlich nachdem die Straßen verbessert worden waren, 
reisten der Kaiser, Fürsten, Adlige und Ritter zu Pferde. In der goldenen Bulle ist 
sogar bestimmt, daß die Kurfürsten sich bei ihren Reisen zu den Reichstagen, Kaiser 
krönungen und ähnlichen Anlässen der Pferde bedienen sollten. 
Wenn es auch ein Irrtum wäre, zu glauben, daß durch die Römer erst manche 
Länder, wie beispielsweise Deutschland, dem Verkehrsleben erschlossen worden sind, so 
hat dieses Volk doch außerordentlich viel zur Hebung des Handels und des Verkehrs in 
den verschiedensten Teilen der Erde beigetragen. So hat zwar auch schon in Deutsch 
land vor dem Eindringen der Römer auf den ältesten Handelsstraßen des mittelrheinischen 
Gebiets, auf dem Rhein und dem Main, ein reges Leben geherrscht, die Intensität dieses 
Verkehrs erfuhr jedoch durch das Erscheinen der römischen Legionen eine weitere Steigerung. 
Bis zur Zeit Cäsars blieb immerhin der Verkehr zwischen Italien und den Ländern jenseits 
der Alpen ein sehr geringer. Dem in sehr früher Zeit betriebenen Handel der griechischen 
Händler mit den Kelten dürste eine Straßenverbindung durch den Jura- und Vogesenpaß 
nach der Rhône gedient haben. Der Ausgangspunkt war hier Massilia, das jetzige 
Marseille. Durch die Schaffung eines leistungsfähigeren Weges über den St. Bernhard 
nahm der gegenseitige Warenaustausch zwischen Italien und Deutschland sehr zu. Die 
Handelsgegenstände, welche über die allmählich in immer größerer Zahl dem Verkehre 
dienstbar gemachten Alpenpässe ihren Weg nahmen, waren: Sklaven, Pelzwerk, Tuch, 
Vieh, Felle, Käse, Wachs und Honig. Das Tannenholz der Gebirge wurde zum Schiffbau 
nach Rom geschafft. Auch Harz und Pech, sowie Rheinfische bildeten ergiebige Handels- 
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