Full text : Leben und Lehre des Buddha

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I.  Einleitung.

Alphabete  viel  größer.  Ein  Teil  der  Werke  ist  in  Sanskrit  geschrieben, ­
  ein  anderer  in  einem  eigentümlichen  Mischdialekt  aus
Sanskrit  und  Mittelindisch,  den  man  OätLä-Dialekt,  „Dialekt
der  Lieder",  zu  nennen  Pflegte,  weil  er  sich  anfangs  nur  in  den
in  die  Prosatexte  eingelegten  metrischen  Bestandteilen  fand.  Jetzt
kennen  wir  aber  auch  Werke,  die  denselben  Dialekt  auch  durchweg
in  der  Prosa  haben.  Dazu  kommen  Chinesisch,  Tibetisch,  Mongolisch, ­
  Japanisch,  alles  schwierige  Sprachen  mit  eigenen  Alphabeten ­
  und  einer  riesigen  Literatur.  Der  Name  „nördlicher  Buddhismus" ­
  hat  überhaupt  nur  eine  geographische  Berechtigung,  nnd
auch  diese  nur  teilweise,  da  zu  ihm  auch  der  Buddhismus  auf
Java  und  Sumatra  zu  rechnen  ist,  der  aus  dem  Norden  dorthin
gebracht  worden  ist.  Der  nördliche  Buddhismus  stellt  nicht  einen
einheitlichen  Begriff  dar.  So  viele  Völker,  so  viele  Arten  des
Buddhismus  gibt  es  auch.  Das  erklärt  sich  daraus,  daß  der
Buddhismus  überall  auf  Volksreligionen  aufgepropft  worden  ist,
die  in  ihrem  Wesen  grundverschieden  von  ihm  waren.  Nirgends
hat  der  Buddhismus  diese  Religionen  ausrotten  können,  ja,  gar
nicht  ausrotten  wollen.  Selbst  in  Ceylon  ist  die  eigentliche  Religion ­
  des  Volkes  ein  Dämonenglaube.
Die  chinesischen  und  tibetischen  Übersetzungen  geben  ausdrücklich ­
  an,  daß  sie  auf  einen  Kanon  zurückgehen,  der  in  Sanskrit
geschrieben  war.  Wir  wissen  auch,  daß  die  Schule  der  Mslasarvästivädins,
  die  sich  als  Anhänger  des  Rahüla,  des  Sohnes
des  Buddha,  betrachteten,  einen  Kanon  in  Sanskrit  hatte.  Trotz
allen  Nachforschungen  war  aber  in  China  ein  Sanskrit-Kanon
nicht  zu  finden.  Da  brachte  1903  die  Expedition  des  Königlichen ­
  Museums  für  Völkerkunde  in  Berlin  unter  Leitung  von
Grünwedel  aus  Chinesisch-Turkestan  neben  andern  wertvollen
Funden  eine  Anzahl  von  Resten  alter  Blockdrucke  mit,  die  in
einem  eigenartigen,  schwierigen  Alphabete  geschrieben  waren,  das
man  zentralasiatische  Lrabmi  zu  nennen  Pflegt.  Die  Untersuchung
der  Blockdrucke,  die  Pischel  übertragen  wurde,  ergab,  daß  sie
ziemlich  umfangreiche  Reste  des  ve'rloren  geglaubten  Sanskrit-Kanons
  enthielten,  und  daß  in  der  Tat  die  chinesische  Übersetzung
eine  wortgetreue  Wiedergabe  dieses  Kanons  ist.  Seitdem  hat  sich
das  Material  durch  die  beiden  neuen  Expeditionen  unter  Le  Coq
und  Grünwedel  in  den  Jahren  1904—1907  und  durch  die
Entdeckungen  englischer,  französischer,  russischer  und  japanischer
Forscher  gewaltig  vermehrt.  Es  harrt  größtenteils  noch  der  wissen-
            
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