20
III. Das Leben des Buddha.
in den geistlichen Stand zu treten, gab er den strengen Befehl zu
verhindern, daß sein Sohn eine dieser Erscheinungen zu Gesicht
bekomme. In jeder Himmelsgegend wurden in einem Abstande
von Y 4 Meile von den Palästen Wächter aufgestellt, die niemanden
einlassen durften. Die jüngeren Berichte sind reich an Wundern,
die Buddha als Kind vollbrachte. Er beschämt seine Lehrer in der
Schule, wozu sich wieder eine christliche Parallele findet, und erweist
sich als Meister in allen Künsten und im Waffenhandwerk.
Alle Berichte sind aber auch darin einig, daß er in seiner Jugend
herrlich und in Freuden lebte. In den drei Palästen wurden ihm
zur Bedienung 40000 Tänzerinnen gegeben, mit denen er, wie
die Nidanakathä sagt, lebte wie ein Gott von Götterhetären umgeben,
ergötzt durch unsichtbare Musik. Neben den 40000 Tänzerinnen
hatte er nach dem Imlitavistara noch 84000 Frauen. Allmählich
nahte die Zeit, wo seine weltlichen Neigungen ein Ende
nehmen sollten, Während nach den alten Texten der Entschluß
des Buddha, der Welt zu entsagen, seinem inneren Drange entsprang,
sind es in den jüngeren wieder die Götter, die ihn dazu
veranlassen. Als der Prinz einst in den Park spazieren gefahren
war, ließen die Götter ihm einen Engel in Gestalt eines uralten,
zahnlosen, weißhaarigen, gekrümmten Mannes, der sich zitternd mit
einem Stocke in der Hand bewegte, erscheinen. Als der Prinz von
seinem Wagenlenker erfahren hatte, daß es das Los jedes Menschen
sei, zu altern, kehrte er betrübt nach Hause zurück. Luddbodana
ließ die Wachen verdoppeln und verschärfen, konnte aber nicht verhindern
daß die Götter auf gleiche Weise dem Prinzen einen mit
einer ekelhaften Krankheit behafteten Menschen, einen Toten und
schließlich einen wohlgekleideten, bescheidenen Mönch erscheinen ließen.
Als der Prinz diesen gesehen, und der Wagenlenker ihm die Vorzüge
des Mönchstums geschildert hatte, kehrte er nicht, wie dreimal
vorher, gleich nach Hause zurück, sondern setzte vergnügt seine
Fahrt fort und ließ sich prächtig schmücken, wozu ihm die Götter
den Visvakarman, den Künstler der Götter, schickten. Als er endlich,
entschlossen, Mönch zu werden, seinen Wagen wieder bestieg,
um heimzukehren, brachte ihn, ein Bote die Nachricht, daß ihm ein
Sohn geboren sei. Da sprach er nach der Nidänakathä die vielleicht
historischen Worte: „Ein ßähula 1 ) ist geboren, eine Fessel
1) Die Bedeutung dieses Wortes ist unbekannt. Eine späte, nordbuddhistische
Legende bringt es in Verbindung mit Rähu, einem Dämon,
dem man die Sonnen- und Mondfinsternisse zuschreibt.