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heute ganz andere Aufgaben gestellt werden, als es in einem Agrarstaat
alten Genres zu erfüllen hatte. In einem Lande, wie Deutschland es
um die Mitte des Jahrhunderts darstellte, bestand eine natürliche
Arbeitstheilung zwischen Landwirtschaft und Industrie derart, dass
der ersteren die Aufgabe zufiel, die städtische industrielle Be
völkerung mit allen erforderlichen Lebensmitteln zu versehen,
der letzteren die Aufgabe, der ländlichen Bevölkerung die von ihr
bedurften industriellen Fabrikate zu liefern. Das heutige Verhältniss
zwischen Industrie und Landwirtschaft ist aber ein wesentlich
anderes. Die deutsche Bevölkerung ist seit der Gründung des neuen
Reiches von 41 auf 56 Millionen angewachsen und wird bei Ab
schluss der Handelsverträge etwa 60 Millionen Seelen betragen.
Gleichzeitig hat die allgemeine kulturelle Entwicklung die Quote des
des auf den Einzelnen entfallenden Verbrauchs für die meisten Güter
wesentlich erhöht. Infolge der damit eingetretenen gewaltigen Stei
gerung des Bedarfs ist die Landwirthschaft nicht mehr im
Stande, auch nur annähernd noch den für die Stadt
bevölkerung erforderlichen Ueberschuss von Nahrungs
und Genussmitteln zu liefern, geschweige denn die In
dustrie, angesichts ihrer enorm gesteigerten Thätigkeit, mit dem
erforderlichen Quantum land- und forstwirthschaftlicher Roh- und
Hilfsstoffe zu versehen..
Der deutschen Landwirthschaft stand während der letzten
20 Jahre eine Anbaufläche von 26 Millionen ha Acker- und Garten
land zur Verfügung. Die Verwendung derselben ist nun ausser
ordentlich charakteristisch für die neuere Richtung unserer land-
wirthschaftlichen Entwicklung. (Wir halten uns dabei an die
Ergebnisse der seit 1878 bestehenden amtlichen Erntestatistik; die
Ziffern für 1899 sind, weil auf wesentlich anderen Grundlagen
beruhend, mit den vorhergehenden leider nicht vergleichbar.)
Es wurden bebaut in Tausenden ha mit:
1878
1898
Differenz
Brotgetreide
8 148
8 243
+ 1 %
Gerste
1 620
1 660
+ 2 o/o
Hafer
3 742
3 997
+ 7%
Kartoffeln
2 753
3 080
+ 12%
Erbsen und Ackerbohnen .
602
412
-32 O/o
Buchweizen
246
140
-43%
Ernte»
ergebnisse
und ein»
heimischer
Bedarf.