Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die  Bodenreform  im  Lichte  des  Freihandels.

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einzigen  Grandrentensteuer  Platz  zu  machen.  Dabei  ist
der  falsche  Gedanke  entscheidend,  daß  die  Grundrente,  welche
dem  Staate  zufalle,  nicht  allein  auf  dem  heutigen  Stande
verbleiben,  sondern  höher  und  höher  steigen  werde.  Ein
Bodenreformer  glaubt,  daß  sie  in  100  Jahren  dem  Gemeinwesen ­
  ein  Einkommen  von  30  Milliarden  Mark  für  Deutschland
gewähren  würde.  —  Stamm  hat  in  seinem  für  die  Bodenreform ­
  grundlegenden  Buche  „Die  Erlösung  der  darbenden
Menschheit“  diese  Ansicht  niedergelegt,  und  andere  sind
ihm  gefolgt,  Henry  George  hat  sein  Buch  „Freihandel  oder
Schutzzoll“  denManen  jener  Männer  (Physiokraten)  gewidmet,
welche  für  die  einzige  Steuer  eintraten.  Auch  wir  haben
noch  in  der  Schrift  „  W  elches  ist  der  erste  Stand  ?“  *)  der  Ansicht
gehuldigt,  daß  die  Grundrente  im  Reformstaate  steigen
würde,  doch  sind  wir  später  zur  Einsicht  gelangt,  daß  der
hohe  Stand  derselben  von  heute  schon  ein  Symptom  kranker
Volkswirtschaft  sei.  Da  Verfasser  Vorsitzender  des  „Deutschen
Bundes  für  Bodenbesitzreform“  und  zugleich  Redakteur  der
Bundeszeitschrift  „Frei-Land“  war,  so  hielt  er  sich  für  verpflichtet, ­
  dem  Vorstande  von  seiner  abweichenden  Meinung
Kenntnis  zu  geben,  die  aphoristisch  in  einem  Zirkulare  vom
8.  Mai  1890  niedergelegt  ist,  das  folgenden  Wortlaut  hat:
„Die  Übernahme  der  Redaktion  von  „Frei  Land“  hat  mir
Gelegenheit  gegeben,  mich  eingehender  mit  den  einschlägigen
Fragen,  speziell  der  Grundrente,  zu  beschäftigen  und  manche
Anschauungen  zu  vervollständigen.  Schon  früher  ist  mir
manches  aufgestoßen,  was  ich  mit  der  „einzigen  Grundsteuer“
oder  der  einzigen  Pachtabgabe  und  der  steigenden  Grundrente
im  Staate  der  Bodenreform  nicht  in  Einklang  zu  bringen  vermochte. ­
  Meine  Berufsarbeit  und  andere  literarische  Beschäftigung
  hielten  mich  von  der  Durchbildung  der  Gedanken  ab.
Schon  vor  zwei  Jahren  habe  ich  in  „Deutsch  Land“,  der  Monatsschrift ­
  unseres  Freundes  Flürscheim,  Bedenken  über  eine  einzige
Steuer  geäußert,  im  vorigen  Jahre  habe  ich  in  einer  Rede,

*)  Dr.  Heinr.  Wehberg:  Welches  ist  der  erste  Stand?  Beantwortet
im  Geiste  des  humanistischen  Sozialismus.  Verlag  von  Elwin  Staude.
Berlin  1888.
Wehberg,  Die  Bodenreform.

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