Full text: Logik des Geldes

88 Fünftes Kapitel. Zur Systematisierung der Lehren vom Papiergelde. 
Krebsschaden der Finanz- und der Volkswirtschaft. Es ist 
kein ideales, zweckmäßiges System, sondern ein Notbehelf, 
ein Übel. Es ist seinem Wesen nach etwas Vorübergehendes, 
und chronisch kann es höchstens in dem Sinne werden, wie 
eine Krankheit chronisch werden kann. Und wie man in 
der Vergangenheit mit dem Papiergeld Schlechtes erlebt 
hat, so kann man in der Zukunft nichts Besseres erwarten.« 
Wollen wir diese ganze Gedankenrichtung noch von un 
serem speziellen Gesichtspunkte, der Fra'ge nach der end 
lichen Befriedigung aus, kurz charakterisieren, so dürfen 
wir eine Stelle von Hufeland zitieren 1 : »Papiergeld ist 
ein Zeichen des Metallgeldes, nicht ein unmittelbares Zeichen 
der Güter.« 
b) Nun zur Charakteristik der zweiten, papiergeldfreund 
lichen, »nominalistischen« Auffassung: Sie hält sich nicht 
an den Wortlaut der Münzgesetze, sondern will nach den 
echten Motiven der Gesetze forschen. Sie fragt nicht nach 
dem Aufdruck der Scheine, sondern darnach, ob dieser 
Aufdruck auch in der Praxis der Staatsverwaltung be 
achtet wird. Sie sieht in der Werteinheit keine gemünzte 
Metallmenge, sondern ein Quantum abstrakter Kaufkraft 
oder Zahlkraft. »Wenn die Namen Livre und Shilling be 
stehen bleiben, so können die Dinge noch ebenso gezahlt 
und verkauft werden, ohne daß Metall nötig ist,« sagt 
Berkeley (1735, zitiert bei Roscher I. 14. Auflage, Seite 
264). »Keine Goldwährung, sondern Markwährung,« sagt 
Otto Heyn. Auch die silberne Mark stellt die Werteinheit 
dar, und doch ist sie mit dem zehnten Teil des goldenen 
Zehnmarkstückes weder identisch noch wertgleich. Und 
sind beide etwa wertgleich der uneinlöslichen Papiermark 
im Kriege? Auch die Papiermark ist selbständiger Wert- 
1 Die Lehre vom Geld und Geldumlauf 1819. S. 218.
	        
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