Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

11.  Die  Spielwarenindustrie  des  Meininger  Oberlandes.

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den  Hilfsbranchen  der  Wirkerei  tätigen  Personen  (Färber,  Drucker,  Appreteure  usw.
usw.)  nicht  mitgerechnet.  Daß  die  Wirkerei  lohnende  Beschäftigung  bietet,  erhellt  aus
der  Tatsache,  daß  von  den  für  1907  nachgewiesenen  Löhnen  der  sächsischen  Textilindustrie ­
  in  der  Gesamthöhe  von  185  290  937  Jl  auf  die  Wirkerei  wesentlich
mehr  als  ein  Fünftel  entfällt.  Im  Interesse  aller  Beteiligten  ist  dringend  zu
wünschen,  daß  diese  günstigen  Ziffern  unter  dem  Druck  der  widrigen  Verhältnisse,
mit  denen  heute  viele  Betriebe  der  Wirkerei  zu  kämpfen  haben,  in  der  Zukunft  eine
Änderung  nicht  erfahren?
Anmerkungen.  1.  Im  Jahre  1911  gingen  aus  dem  Bezirke  des  amerikanischen  Konsulats
zu  Chemnitz  für  4  391025  Dollars  baumwollene,  seidene  und  wollene  Handschuhe,  Strümpfe
und  Unterkleider  nach  den  Vereinigten  Staaten.  (Freundliche  Mitteilung  des  amerikanischen
Konsulats  zu  Chemnitz.)
2.  Die  Betriebe,  die  zur  Sächsischen  Textilberufsgenossenschaft  gehören,  beschäftigten
im  Jahre  1911  269  880  Personen  und  zahlten  ihnen  213  284  779  M  Löhne.  In  der  Wirkwarenindustrie ­
  waren  40  751  Personen  tätig,  davon  34  313  im  Bezirke  der  Kreishauptmannschaft ­
  Chemnitz.  Diese  erhielten  i.  g.  33  778  542  M  Löhne.  (Freundliche  Mitteilung  der
Sächsischen  Textilberufsgenossenschaft  zu  Leipzig.)
(Zusatz  von  G.  M.)

11.  Die  Spielwarenindustrie  des  Meininger  Oberlandes.
Von  Rudolf  Anschütz.
A  n  s  ch  ü  tz,  Industrie,  Handel  und  Verkehr  im  Herzogtum  Sachsen-Meiningen.  Sonneberg
S.-M-,  Druck  von  Grabe  &  Hetzer,  1904.  S.  46—50-Das
  Herzogtum  Sachsen-Meiningen  besitzt  im  „Meininger  Oberland"  die  wichtigste ­
  und  vielleicht  auch  älteste  Stätte  der  deutschen  Spielwarenverfertigung.  Wird
bereits  ausgangs  des  13.  Jahrhunderts  unter  den  Gewerben  Nürnbergs  dasjenige
der  Docken-(Puppen-)macher  erwähnt,  so  befaßte  sich  diese  Stadt  doch  zunächst  in  erster
Linie  mit  dem  kaufmännischen  Vertrieb  solchen  Spielzeuges,  welches  anderswo,  in  den
Bayrischen  Alpen,  im  Sächsischen  Erzgebirge  oder  auf  dem  Thüringer  Wald,  hergestellt ­
  worden  war.  Wenn  die  in  diesen  Gebirgsgegenden  an  sich  nicht  sehr  lohnende
landwirtschaftliche  Tätigkeit  beendet  war,  wenn  zur  Winterszeit  auch  der  Erwerb  der
Holzmacher  oder  Köhler  stockte,  dann  lenkte  der  Holzreichtum  der  Wälder  auf  die
Möglichkeit  anderen  Verdienstes  hin:  auf  den  Thüringer  Höhen,  an  der  alten  nürnberg-sächsischen ­
  Geleitsstraße,  fertigte  man  zunächst  Haus-  und  Küchengeräte  und  bald
auch  einfache  Holzspielsachen,  wie  „Wieglein,  Tischlein,  Stühlein  und  Bettstellein,
Pferde,  Kärrnlein  und  Reiterlein",  dazu  „Docken",  innen  hohl,  mit  kleinen  Steinchen
oder  Erbsen  gefüllt,  zum  Klappern,  Tanzdocken  auf  Schweinsborsten,  Figuren  und
Tiere,  Degen  und  Flinten,  Peitschen  und  Steckenpferde,  Gaukler  und  Purzelmänner,
Flöten,  Geigen  und  Trommeln.
Der  Dreißigjährige  Krieg  hatte  dann  die  sonst  so  belebte  Handelsstraße  von
Nürnberg  nach  Leipzig  veröden  lassen  und  dadurch  die  Waldbewohner  darauf  angewiesen, ­
  selbst  für  den  Verschleiß  ihrer  Erzeugnisse  zu  sorgen,  und  wenn  auch  noch
längere  Zeit  engere  Beziehungen  zwischen  Nürnberg  und  Sonneberg  bestanden,  so
begründete  doch  damals  der  Spielwarenhandel  des  Meininger  Oberlandes  seine  Selbständigkeit. ­
  Aber  noch  lange  —  im  großen  Publikum  teilweise  heute  noch  —  gelten
frie  deutschen  Spielwaren  als  Nürnberger  Tand.  Seine  Bedeutung  als  Spielwarenstadt ­
  hat  Nürnberg  auch  nicht  verloren.  Es  schuf  sich  eine  eigene  Industrie  und  hob
^wse  zu  solcher  Bedeutung,  daß  heute  Nürnberg  mit  seiner  Nachbarstadt  Fürth  hin-
            
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