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Die Gruppe der Unentwegten 99
durch richtige zu ersetzen 1 ). Das ganze, dicke Lehrbuch strotzt
denn auch von Formeln. Diese sind bald Definitionen, bald
resümierende Sätze, bald induktive oder auch deduktive Naturgesetze
der Volkswirtschaft. G. de Molinari, an den sich
Yves Guyot neben Ad. Smith, H. Spencer und Mac
Cull och hauptsächlich anlehnt, kennt, wie wir sahen, bloß
drei oder vier wirtschaftliche Naturgesetze. Bei Yves Guyot
sind es einige Dutzend. Die Gewinnung eines solchen Naturgesetzes
hat ein recht ansprechendes Aussehen. Eine partikuläre
oder eine allgemeine Tatsache wird in der Form eines
Beispiels, einer statistischen Tabelle oder einer graphischen
Darstellung hingeworfen. Dann wird sie im Sinne der klassischen
Lehre interpretiert, in eine Formel gefaßt und das „induktive
Naturgesetz“ ist fertig. Es gibt aber auch „deduktive
Naturgesetze“. Als solche bezeichnet nämlich Guyot jede
Anwendung eines induktiven Gesetzes auf einen neuen Fall von
verallgemeinerter Tragweite.
Man darf sich nun nicht, wie es Guyot selbst geschieht,
durch den äußern Schein dieses Verfahrens über dessen eigentliche
Natur täuschen lassen. Hinter dem ganzen Apparat von
Beispielen und Zahlen verbirgt sich ein streng abstraktes, vorbestimmtes
und deduktives Denken. Dies kommt Guyot ebenso
wenig zum Bewußstsein, wie den meisten liberalen Volkswirten,
welche die Nationalökonomie, wie sie sie lehren, für eine Beobachtungswissenschaft
halten.
Über die verwickelte Kausalität der wirtschaftlichen Erscheinungen
setzt sich Guyot mit ungetrübter Sorglosigkeit
hinweg. Er polemisiert in diesem Sinne gegen Brentano 2 )-. „Abstraktionen
in der Art des homo oeconomicus gehören zur wissenschaftlichen
Methode. Wenn den Menschen, bei seinen wirtschaftlichen
Handlungen, Leidenschaften, Sympathie oder Haß
bestimmen, so handelt er eben nicht vom wirtschaftlichen, sondern
von andern Gesichtspunkten aus; die Wirtschaftswissenschaft
aber hat sich nur um wirtschaftliche Handlungen, welche
von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus geschehen, zu küm-')
ibid. (3. Aufl.) p. XI.
2 ) L. Brentano, Die klassische Nationalökonomie, 1888.