Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

Zinsfußes  wirken  jedoch  entgegen:  große  Erfindungen  und
Entdeckungen,  welche  manchmal  sofort  in  großem  Maßstab
praktisch  verwertet  werden  können;  Auswanderung  von  Kapitalien, ­
  endlich  Kriege  und  soziale  Umwälzungen.  Als  Resultante
dieser  beiden  entgegengesetzten  Ursachenreihen  ergibt  sich  eine
normale  Tendenz  zu  stufenweiser  Abnahme  des  Zinsfußes.  Die
allgemeine  Norm,  die  bei  den  zivilisierten  Völkern  die  Höhe
des  Zinsfußes  bestimmt,  ist  die  durchschnittliche  Produktivität
der  neugebildeten  und  der  disponiblen  Kapitalien 1 ).
Auffallender  noch  als  das  Sinken  des  Zinsfußes  ist  in  den
Ländern  alter  Kultur  die  starke  progressive  Abnahme  der  Bodenrente,
  selbst  schon  der  städtischen.  Leroy-Beaulieu  erweist
diese  Tendenz  für  Frankreich  statistisch.  Übrigens  wirkt  die
Abnahme  des  Zinsfußes  herabdrückend  auf  die  Grundrente  und
somit  hemmend  auf  das  Inkrafttreten  des  Ricardo  sehen  Grundrentengesetzes. ­
  Da  große  agronomische  Entdeckungen  für  das
XX.  Jahrhundert  in  sicherer  Aussicht  stehen,  ist  ein  immer
weiteres  Sinken  der  Bodenrente  zu  erwarten  -).
Was  endlich  den  durchschnittlichen  Unternehmer  gewinn  betrifft, ­
  so  tragen  zu  dessen  stufenweiser  Abnahme  in  den  Ländern
alter  Kultur  hauptsächlich  bei  :  wiederum  das  Sinken  des  Zinsfußes, ­
  welches  die  Zahl  der  Rentner  verringert  und  die  Kapitalbesitzer ­
  zur  eigenen  Verwertung  desselben  antreibt;  die  zunehmende ­
  Achtung,  die  Industrielle  und  Handeltreibende  in
der  Gesellschaft  genießen,  was  zur  Vermehrung  ihrer  Zahl
führt  und  damit  zu  gesteigerter  Konkurrenz;  Verbreitung
von  Besitz,  Kredit,  Bildung,  die  immer  mehr  Leute  in  den
Stand  setzen,  Unternehmer  zu  werden,  endlich  die  Verringerung ­
  des  Risikos  in  den  ältern  Gewerben,  indem  die  Hergelangen. ­

  Den  fundamentalen  Unterschied  zwischen  materieller  und  wirtschaftlicher ­
  Produktivität  der  Kapitalanlagen  kann  man  nicht  genug  betonen  :  „In  der
Industrie  bleibt  die  materielle  Produktivität  bei  jeder  Kapitalsteigerung  ;  manchmal ­
  nimmt  sie  sogar  zu.  Aber  die  wirtschaftliche  Produktivität,  wenn  ich  mich
so  ausdrücken  darf,  d.  h.  der  geschaffene  Nutzen  hat  die  Tendenz  abzunehmen,
wenn  über  eine  gewisse  Quantität  von  Produkten  hinausgegangen  wird.“  Das
Gesetz  vom  Grenzwert  und  Grenznutzen  kommt  dabei  zur  Geltung.  Traité,
Bd.  II,  p.  136—138.
x )  Traité,  Bd.  II,  p.  154  ff.
2 )  Traité,  Bd.  I,  p.  765  ff.
            
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