Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Storax 
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Stroh 
schmackhaftem Fleisch, sind besonders wichtig 
wegen ihrer Eier (s. Kaviar) und der Schwimm 
blase (s. Hausenblase), i. Der Stör, Aci- 
penser sturio, 2—6 m lang, in Europa in 
Flüssen und Meeren außer der Donau und dem 
Schwarzen Meer, 2, Sterlet, Störl, Acipen- 
ser ruthenus, im lang, im Schwarzen Meere 
und den größeren Flüssen Rußlands. 3. Scherg, 
Scherk, Schörgel, Sternhausen, Acipen- 
ser stellatus, 2 m lang, ebendaselbst, und 
4, Hausen, Acipenser huso, bis 9m lang 
und bis 600 kg schwer. — Das Fleisch der grö 
ßeren Sorten gleicht dem Kalbfleische und wird 
besonders in Rußland von allen Schichten des 
Volkes genossen. In erster Linie gilt das Fleisch 
des Sterlet als besonders schmackhaft. Der S. 
liefert die Hauptmenge des Kaviars. Seine 
Sehnen werden zu Peitschen und Treibstöcken 
verarbeitet. 
Storax (lat. Storax, Styrax liquidus, Baisamum 
storacis, frz. Styrax liquide, engl. Liquid storax) 
ist der Balsam eines in Kleinasien und Syrien 
Wälder bildenden stattlichen Baumes aus der Fa 
milie der Hamamelidazeen, Liquidambar 
orientalis, dessen lockere Innenrinde in Säcken 
aus Pferdehaar ausgepreßt oder ausgekocht wird. 
Der abgeschöpfte St. gelangt über Smyrna, Kon 
stantinopel, Syra und Alexandria in Fässern oder 
Kanistern nach Europa, doch wird im Orient 
selbst sehr viel davon verbraucht. Der Balsam 
ist im frischen Zustande zähflüssig wie Terpentin, 
von grauer oder graugrünlicher Farbe und durch 
beigemischtes Wasser getrübt und wird in der 
Regel noch mit einer Schicht Jasser bedeckt 
in den Handel gebracht. Der Geruch ist stark 
und vanilleähnlich, der Geschmack würzhaft und 
brennend scharf. Alkohol, Äther, Essigäther, 
Methylalkohol, Eisessig, Azeton und Amylalko 
hol lösen den S. fast vollständig mit brauner 
Farbe. Das spez. Gew. beträgt 1,112—r, 115, der 
Aschengehalt soll 1%, der Wassergehalt 30 0/0 
nicht übersteigen. S. enthält außer Harz Sty- 
razin, Styrol, Zimtsäure, Vanillin und meh 
rere Zimtsäureester, wird aber häufig durch Ter 
pentin, Kolophonium und fette öle verfälscht. 
Da die ursprüngliche Ware oft mit Holz- und 
Rindenstücken versetzt ist, wird in der Medizin 
gegen Krätze und andere Hautkrankheiten 
ein gereinigtes Erzeugnis (lat. Styrax depu- 
ratus, frz. Styrax purifiö, engl. Prepared storax) 
benutzt, zu dessen Herstellung man den S. in 
Alkohol löst, filtriert und eindampft. Der so ge 
reinigte Balsam ist eine sirupdicke Flüssigkeit 
von dunkelbrauner Farbe. Die rohe Ware wird 
hauptsächlich zu Räuchermitteln und Parfüme 
rien, Ofenlack und Räucherkerzen verbraucht 
und in weingeistiger Lösung vielen gemischten 
Parfüms zugesetzt, um ihren Geruch haltbarer 
zu machen. — Als fester S, (lat. Styrax solidus 
seu calamitus) finden sich braune, bröckelige 
Massen im Handel, die Storaxgeruch haben und 
ebenfalls zu Räuchermitteln dienen. Ursprüng 
lich bestanden sie aus den wohlriechenden Rin 
denrückständen von, der Balsamgewinnung, jetzt 
vielfach aus einem Gemisch von Sägespänen 
mit S. und anderen Riechstoffen, das erst in 
Triest zusammengeknetet wird. — Ein anderer, 
von dem vorigen ganz verschiedener Baum oder 
baumartiger Strauch aus dem südlichen , Europa 
und dem Orient, Styrax officinalis, liefert 
einen S. in Körnern oder Tränen, der aber nur 
noch selten im Handel vorkommt. 
Strachino-Käse, ein italienischer Fettkäse, wird 
in ähnlicher Weise wie der Gorgonzola aus 
Vollmilch oder aus Vollmilch mit Rahmzusatz 
hergestellt und enthält nach König: 38,01 °/o 
Wasser, 23,390/0 Stickstoffsubstanz, 34,04% Fett 
und 4,70 % Asche. 
Stranfafaser, ein von der mechanischen Webe 
rei von Gröning in Messen bei Rheine aus Stroh 
faser hergestellter Juteersatz für grobe Stricke, 
Polster-, Filz- und Kabelfabrikation. 
Streumehle sind Backhilfsmittel, die neuer 
dings an Stelle des Brotmehles zum Bestreuen 
der Brotlaibe und der Backschüsseln benutzt werden, 
um das Ankleben des Teiges auf der Unterlage zu 
verhindern. Siebestehen in der Regel aus technisch 
reinem Holz-, Stroh-, Spelz-, Schilf- oder Stein 
nußmehl, während ein Zusatz von Gips, Kreide 
oder anderen Mineralstoffen unzulässig ist. Die 
St. dürfen nur an der Oberfläche des Gebäcks 
haften, das Einkneten in den Teig hat als Ver 
fälschung zu gelten. 
Stroh (Gestroh) nennt man die oberirdi 
schen Teile landwirtschaftlicher Nutzpflanzen, die 
nach vollendeter Reife von den Samen befreit 
worden sind und zum Teil als Futtermittel 
oder zur Einstreu, zum Teil für technische 
Zwe.cke, wie zur Herstellung von Papier, Ver 
wendung finden. Praktische Bedeutung hat in 
erster Linie das Getreidestroh, ferner das Stroh 
von Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen. Wicken) 
und von einigen Ölpflanzen, wie Raps, Mohn, 
Sonnenblumen. Der Nährstoffgehalt des Strohes 
ist naturgemäß nur gering, da allein gegen 40 °/o 
auf Rohfaser entfallen. Daneben enthält das 
wertvollste, das Hülsenfruchtstroh, 8—14% Stick 
stoffsubstanz, während diese im Getreidestroh 
nur zu etwa 3—6% vorhanden ist. Der Fettgehalt 
beträgt 1—2 %. Der Hauptwert des Strohes 
liegt sonach darin, daß es die Tiere zum gründ 
lichen Durchkauen der gleichzeitig 1 dargereichten 
Kraftfuttermittel zwingt und magenfüllend wirkt. 
Zur Erhöhung des Nährwertes sind mehrere Vor 
schläge gemacht worden, die zur Herstellung 
folgender beiden Futtermittel geführt haben. 
Strohkraftfutter nennt man das nach dem 
Verfahren von Franz Lehmann, oder in etwas 
abgeänderter Form von Öxmann, Colshorn u.a. 
mit Natron aufgeschlossene Stroh, das hierbei 
von den die Zellen inkrustierenden Stoffen Lig 
nin, Suberin u. a. befreit wird. Zu seiner Dar 
stellung wird das gehäckselte Stroh in Kugel 
kochern oder viereckigen Behältern bei gewöhn 
lichem oder erhöhtem Druck mit Natronlauge 
erhitzt und nach dem Ablassen der braunen 
Lauge bis zur neutralen Reaktion ausgewaschen- 
Das besonders während des Krieges in Aufnahme 
gekommene Strohfutter besteht aus nahezu reiner 
Zellulose, die restlos verdaut werden und den 
Futtefwert der Stärke haben soll. Strohmehl 
ist nach dem Vorschläge von Friedenthal staub 
fein vermahlenes Stroh. Die Annahme des Er 
finders, daß durch diese Behandlung die Ver 
daulichkeit erhöht werden solle, hat sich bei 
näherer Prüfung als irrig erwiesen, und das Ver 
fahren ist daher als zwecklos wieder eingestellt 
worden.
	        
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