Einleitung.
Eine große Frage beherrscht das volkswirtschaftliche
Denken in Frankreich: die Frage, ob das Wirtschaftsleben frei
oder gebunden sein soll. Die Geister scheiden sich, je nach
der Antwort, die sie auf diese Frage geben, in zwei Lager.
Das eine umfaßt die Volkswirte, deren Augenmerk in erster Linie
auf die Unternehmerklasse gerichtet ist, auf jene Kategorie von
Starken, deren Gesetz individuelle Selbsthilfe und freie Kon
kurrenz sind. Diese Volkswirte huldigen alle in größerm oder
geringerm Maße der Anschauung, daß die Einmischung des
Staates ins Wirtschaftsleben im allgemeinen schädlich sei. Man
bezeichnet sie als Individualisten oder Nichtinterventionisten. Die
Nationalökonomen, welche sich für die Gebundenheit des Wirt
schaftslebens entscheiden, bilden das andere Lager. Ihre Auf
merksamkeit gilt in erster Linie den wirtschaftlich Schwachen
und Schutzbedürftigen, also entweder der Arbeiterklasse, deren
Gesetz die Vereinigung und die autoritative Reglementierung
der wirtschaftlichen Beziehungen sind, oder jenen Zweigen der
einheimischen Produktion, welche die schützende Intervention
des Staates in eine Lage setzen soll, die jener des fremden
Wettbewerbs gleich sei. Die hierher gehörenden Volkswirte
stützen ihre Anschauungen zumeist auf eine historische Auf
fassung vom Wirtschaftsleben, die dessen Gestaltung von den
Bedingungen von Zeit und Ort abhängig sein läßt. Sie sind
Interventionisten, Protektionisten, oder auch Anhänger einer korpo
rativen oder genossenschaftlichen Ordnung des Wirtschaftslebens.
Neben den Männern, welche aus ökonomischen Gründen
für die Freiheit oder für die Gebundenheit des Wirtschafts
lebens Partei ergreifen, gibt es solche, deren volkswirtschaft
liches Denken sich auf Grundlagen anderer Ordnung aufbaut.
Es sind dies in der Hauptsache einerseits die katholischen National
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich. II