Die Nichtinterventionisten
233
listische“ — ist in seinen Augen nun einmal das unbedingt
anzustrebende Ideal, dem genossenschaftliche Gebilde nur zu
leicht ins Gehege kommen. Dies tun in sehr unerwünschter
Weise z. B. die Aktiengesellschaften und zwar infolge der zwangs
weisen gleichen Erbteilung. Indem diese nämlich die Schaf
fung und Erhaltung von familialen Arbeitsstätten hindert, fördert
sie die ungemessene Vermehrung von unpersönlichen, aktien
gesellschaftlichen Arbeitsstätten, welche kein günstiger Boden
sind für die Entwicklung harmonischer Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitern *). Andererseits haben die Versuche,
die alten Zünfte in der Form von Produktivgenossenschaften
wieder aufleben zu lassen, keine günstigen Resultate gezeitigt 2 ).
Die gesellschaftliche Organisation der Produktion ist darum
nur für ganz große Unternehmungen, welche die Kräfte auch
der stärksten Unternehmerfamilie übersteigen, geeignet 3 ).
6. Private Beziehungen. Unter dieser Rubrik behandelt
Le Play die wichtige Frage der Beziehungen zwischen Arbeit
gebern und Arbeitern.
Die großen Entdeckungen des XVIII. und XIX. Jahr
hunderts haben eine Entwicklung der Industrie nach sich ge
zogen, aus welcher der Pauperismus hervorging. Es ist dies
eine neue Erscheinung in der Weltgeschichte und die große
Frage unserer Zeit. Das Mittel, ihn zu überwinden, lehren uns
die Überlieferungen der Vorzeit: es heißt Patronage.
Der Patronage oder die Schutzherrschaft ist „der Inbegriff
der Anschauungen, Sitten und Einrichtungen, welche mehrere
Familien zu deren voller Zufriedenheit unter die Autorität eines
Oberhauptes : des Arbeitgebers, vereinigen“ 4 ). Er besteht in den
„Sitten und Einrichtungen, welche die Sicherheit der un vorsorg
lichen Massen zu gewährleisten imstande sind“ 6 ). Der Patro
nage, der früher zwangsweise organisiert war, beruht heute auf
einem freiivillig dauernden, womöglich sich auf Generationen
hinaus erstreckenden Arbeitsverhältnis. Er legt dem Arbeit-
') ibid. § 44, p. 363 ft.
2 ) ibid. § 43, p. 358 ft.
3 ) ibid. § 45, p. 371 ff.
4 ) ibid. p. 467.
5 ) ibid. Bd. II, p. 15, 22.