Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Schule  der  Science  sociale

287

Fragestellung  zur  Regel  macht  und  sich  unmittelbar  mit  konkreten ­
  Materien  befaßt*).
Du  Maroussem  nähert  sich  mit  seinen  Anschauungen
über  die  Grundlegung  einer  Volkswirtschaftslehre  dem  Standpunkt ­
  der  deutschen  historischen  Schule.  Niemand  wird  leugnen
wollen,  daß  die  von  ihm  ausgestaltete  und  betätigte  Forschungsmethode ­
  monographischer  Enquete  hervorragend  dazu  geeignet
ist,  wertvolle  und  eminent  vergleichbare  Materialien  zum  Aufbau ­
  einer  Volkswirtschaftslehre  zu  beschaffen.  Ob  aber  ihre
systematische  Durchführung  im  wissenschaftlichen  Forschungsbetriebe ­
  eines  Landes  nicht  schon  daran  scheitern  würde,  daß
sie  zu  sehr  auf  die  spezielle,  persönliche  Begabung  ihres  Schöpfers
zugeschnitten  ist,  bleibt  in  Frage  gestellt.

2.  Kapitel.
Die  Schule  der  Science  sociale.
Die  Le  Playschule  der  Science  sociale  bietet  ein  klassisches
Schauspiel  tragischer  Ironie.  Wir  haben  die  Lehre  Le  Plays
als  eine  Lehre  des  Beharrens  kennen  gelernt;  sie  predigt  Abkehr
von  den  durch  die  große  französische  Revolution  irre  geleiteten
Entwicklungstendenzen  des  sozialen  Lebens  und  Konsolidierung ­
  der  sozialen  Ordnung  in  den  Organisationsformen  der
Vergangenheit.  Le  Plays  Schüler  H.  de  Tourville 2 )  und
1)  du  Maroussem  polemisiert  in  diesem  Sinne  gegen  die  bei  den  nationalökonomischen ­
  Doktorthesen  an  den  juristischen  Fakultäten  in  Frankreich  und  bei
den  Aufsätzen  der  Revue  d'Economie  politique  übliche  Fragestellung.  Man
schreibt  z.  B.,  sagt  er,  „Über  die  Verteilung  der  Güter  im  kapitalistischen  Zeitalter“, ­
  statt  über  das  viel  eindrucksvollere  Thema  „Wie  entstanden  die  großen
Vermögen  z.  B.  in  Paris  oder  in  Chicago?“  oder  „Über  den  Kleingrundbesitz
(im  allgemeinen)“,  statt  die  Frage  konkret  mit  Brentano  zu  formulieren:  „Warum
gibt  es  in  Altbayern  keine  Junker?“  usw.,  loe.  cit.  p.  203  ff.
2 )  Henri  de  Tourville  (1842—1903)  entstammt  einer  Patrizierfamilie  von
Rouen.  Er  studierte  erst  Jurisprudenz,  dann  Theologie.  1873—1881  war  er
Vikar  der  Pfarrei  St.  Augustin  in  Paris.  Er  lernte  dort  Le  Play  und  dessen
Milieu  kennen  und  wurde  ein  eifriger  Schüler  des  Meisters.  Durch  Krankheit
gezwungen,  die  Seelsorgepraxis  aufzugeben,  zog  er  sich  auf  sein  Landgut  Tourville, ­
  später  in  das  Heim  der  Schule  der  Science  sociale  den  „Manoir  de
Galmont“  zurück  und  lebte  fortan  ausschließlich  der  Wissenschaft.  1881—1883
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.