Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

Grad  der  Produktivität  der  Arbeit  hängt  insbesondere  von  technischer ­
  und  gesellschaftlicher  Arbeitsteilung  ab.  Vorbedingung
für  die  Teilung  der  Arbeit  ist  die  Ansammlung  von  Kapital.
Das  Kapital  ist  Arbeitsprodukt;  insoweit  es  aber  die  Arbeitsteilung ­
  fördert  und  die  Produktivität  der  Arbeit  steigert,  wird
es  Produktionsfaktor.  Im  Verlaufe  des  Produktionsprozesses
wird  es  abgenutzt  oder  verbraucht  und  muß  ersetzt  werden.
Dieser  Ersatz  wird  mit  Aufwand  von  Arbeit  und  Kapital  aus
dem  Boden  gewonnen,  welcher  als  Quelle  des  Kapitalersatzes
wiederum  Produktionsfaktor  ist.  Bei  völlig  freier  Konkurrenz
bilden  sich  die  Preise  aller  Güter  derart,  daß  die  drei  Faktoren  :
Arbeit,  Kapital,  Boden,  welche  bei  der  Produktion  mitgewirkt
haben,  daraus  die  ihnen  gebührende  Vergütung  erhalten.  So
entstehen  die  drei  Zweige  des  Einkommens  :  Lohn  für  die  Arbeiter, ­
  Gewinn  für  die  Kapitalisten,  Rente  für  die  Grundbesitzer.
In  der  optimistischen  Grundstimmung  und  in  der  Aufstellung ­
  des  Freihandelsprinzips  trifft  sich  Smith  mit  der  Lehre
der  Physiokraten.  Nicht  minder  rosig  als  diese  weiß  er  die
Harmonie  aller  Individualinteressen  und  die  segensreichen  Wirkungen ­
  der  freien  Konkurrenz  zu  schildern;  aber  sein  Begriff
von  der  Nichteinmischung  des  Staates  ins  Wirtschaftsleben
unterscheidet  sich  von  dem  physiokratischen  dadurch,  daß  die
Freiheit  des  auswärtigen  Handels  bei  ihm  bereits  in  eine  zentrale ­
  Stellung  tritt,  während  es  jenen  in  erster  Linie  um  Beseitigung ­
  der  innern  Schranken  des  Handels  in  Bodenprodukten
und  der  Getreideausfuhrverbote  zu  tun  war.  Es  erklärt  sich
dies  schon  daraus,  daß  Frankreich  in  den  Tagen  der  Physiokraten ­
  noch  vorwiegend  Agrarstaat  war,  während  in  England
zur  Zeit  Adam  Smiths  die  Interessen  von  Handel  und  Gewerbe ­
  bereits  in  den  Vordergrund  gerückt  waren.
In  dem  Unterschied  zwischen  dem  lateinischen  und  dem
angelsächsischen  Temperament  ist  ein  weiterer  bedeutsamer
Unterschied  zwischen  den  beiderseitigen  Systemen  der  Physiovor

  ihm  und  nach  ihm,  dort  wo  sie  vom  Tauschwert  reden,  bestimmt  abgegrenzte ­
  Gütermengen  und  Bedürfnisse  im  Auge  haben,  dort  aber,  wo  sie  vom
Gebrauchswert  handeln,  jede  quantitative  Abgrenzung  aus  dem  Auge  verlieren
und  mit  Gattungsbegriffen,  oder,  wenn  man  will,  mit  unbestimmten  Gütermengen
und  Bedürfnissen  operieren.  Vgl.  darüber:  Brentano,  Die  ^Entwicklung  der
Wertlehre,  München  1908,  p.  42  ff.
            
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