Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

342  Die  katholischen  und  verwandten  Schulen  in  der  Gegenwart

politische  Kampforganisation  mit  unmittelbarem  Gegenwartszweck ­
  ist  die  Action  libérale  'populaire.  Sie  hat  eine  Reihe  ländlicher ­
  Kreditkassen,  insbesondere  in  der  Côte  d’Or,  ferner  zahlreiche ­
  Gegenseitigkeitsgenossenschaften,  etwa  vierzig  Volkssekretariate ­
  mit  unentgeltlicher  Rechtsauskunft  und  ebensolcher  ärztlicher ­
  Pflege,  sowie  mehrere  andere  Organisationen  geschaffen.
Dem  Volksverein  für  das  katholische  Deutschland  in  M.-Gladbach
haben  die  französischen  Sozialkatholiken  die  Einrichtung  der
sozialwissenschaftlichen  Kurse  abgelauscht.  Diese  Veranstaltungen,
Semaines  sociales,  werden  abwechselnd  in  den  bedeutenderen
Städten  des  Landes  unter  reger  Beteiligung  des  Episkopats  und
von  Universitätsprofessoren  abgehalten.  Erfolgreich  ist  besonders ­
  die  von  Frau  Professor  Jean  Brunhes  ins  Leben  gerufene
Ligue  sociale  des  acheteurs.  Sie  umfaßt  sechs  Abteilungen,
welche  sich  die  Erforschung  und  die  Besserung  der  Lage  der
Heimarbeiterinnen  und  häuslichen  Dienstboten,  sowie  der  in
den  Konfektions-,  Wäscherei-,  Konditorei-  und  Friseurbranchen
beschäftigten  Arbeiterinnen  zum  Ziel  gesetzt  haben.  Eine  ganze
Reihe  Pariser  Häuser  haben  sich  bereits  den  von  dieser  Liga
im  Interesse  der  Arbeiterinnen  gestellten  Einkaufsbedingungen
angepaßt.
Im  Sinne  des  Sozialkatholizismus  wirken  ferner  zahlreiche
karitative  und  sozialpolitische  weibliche  Unternehmungen,  welche
teils  im  Anschluß  an  jene  Konsumentenliga  ins  Leben  traten,
teils  aus  der  allgemeinen  feministischen  Bewegung,  die  mit  dem
beginnenden  XX.  Jahrhundert  in  Frankreich  kräftig  eingesetzt
hat,  hervorgingen  *).  Auf  dem  Gebiete  der  Arbeiterorganisation ­
  sind  auf  sozialkatholischer  Seite  die  Unions  des  Travailleurs ­
  libres  zu  erwähnen.  Es  sind  Arbeitervereine  (nicht  Berufsvereine),
  welche  ihren  Mitgliedern  gegen  einen  wöchentlichen
Beitrag  von  0,25  Fr.  einen  Arbeitsnachweis,  konsumgenossenschaftliche ­
  Einrichtungen,  Hilfskassen,  unentgeltliche  Rechtsauskunft ­
  und  ebensolchen  ärztlichen  Beistand,  Vorträge  und
gesellige  Veranstaltungen  bieten.  Die  erste  dieser  Unions  entstand ­
  1901  in  Grenelle  (Paris);  heute  hat  sich  die  Organisation ­
  über  mehrere  Stadtteile  von  Paris  ausgedehnt  und  beginnt ­
  auf  die  Provinz  überzugreifen  (Nancy).  Die  Mitglieder-')

  Vgl.  Max  Tarmanti,  Initiatives  feminines,  Paris,  1906,
            
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