Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

344  Die  katholischen  und  verwandten  Schulen  in  der  Gegenwart

Doktrinen,  Gewerbegesetzgebung,  Finanzwissenschaft  und  Steuergesetzgebung. ­
  Gegenüber  anderen  Fakultäten  ist  diese  Besetzung ­
  der  volkswirtschaftlichen  Fächer,  welche  sich  auf  das
strikte  Minimum  beschränkt,  eher  dürftig.  Um  so  reichhaltiger
ist  dafür  der  Lehrplan  der  Spezialvorlesungen.  Wir  haben  uns
darunter  Vorträge  über  öffentlich-rechtliche,  staatswissenschaftliche ­
  und  geschichtliche  Themata  vorzustellen,  von  denen  jedes
in  zwei,  vier,  sechs  bis  zwanzig  Stunden  erledigt  wird.  Auf
den  einzelnen  Wochentag  kommen  eine  bis  zwei  dieser  Spezialvorlesungen. ­
  Sie  erstrecken  sich  auf  das  ganze  Studienjahr
(November  bis  Juni).  Sie  werden  zum  Teil  von  Professoren
der  Universität  abgehalten,  zum  Teil  von  auswärtigen  Herren  ').
Die  Leitung  der  Ecole  des  Sciences  sociales  et
politiques  in  Lille  setzt  ihren  Stolz  darin,  jedes  Jahr  vollständig ­
  neue  Programme  von  Spezialvorlesungen  zu  bieten 2 ).
Die  Zahl  der  an  der  Anstalt  Studierenden  wird  als  „sehr  groß“
angegeben.  Die  dritte  Abteilung:  Praktische  Arbeiten,  umfaßt
einen  „Cercle  d’Etudes“  für  öffentliches  Recht  und  einen  solchen
für  Nationalökonomie.  Beide  veranstalten  Seminararbeiten,  Exkursionen ­
  und  Übungen  in  parlamentarischer  Debatte 3 ).
1)  Seit  dem  Rücktritt  des  Le  Playschülers  Béchaiix  liegt  der  nationalökonomische ­
  Unterricht  am  Institut  catholique  von  Lille  in  den  Händen  der  Sozialkatholiken: ­
  M.  Vanlaer,  E.  Duthoit  und  Boissard.
2 )  Probeweise  seien  einige  Vorlesungen  aus  den  drei  letzten  Jahren  angeführt ­
  :
Ch.  Brun,  Le  Mouvement  regionalste  en  France.  —  Martin  Saint-Léon,
La  Question  des  Classes  moyennes,  Petite  industrie,  Petit  commerce,  Petite  culture, ­
  Petits  fonctionnaires.  —  Cetty,  Stadtpfarrer  in  Mülhausen:  La  Législation
sociale  et  le  Mouvement  syndical  en  Allemagne.  —  Paul  de  Rousiers,  Le  Mouvement ­
  d’exportation  et  la  Politique  douanière  de  l’Allemagne.  —  Plichon,  Le
Rachat  des  Chemins  de  fer.  —  Carton  de  Wiard,  l’Action  sociale  en  Belgique.
—  Max  Turmann,  Les  Coopératives  de  Consommation.  —  Martin  Saint-Léon,
Les  Partis  revolutionäres  en  France:  Socialistes,  Syndicalistes,  Anarchistes.  —
Duval-Arnould,  Les  Transports  en  commun  dans  les  grandes  villes  et  particulièrement ­
  à  Paris.  —  Selosse,  Les  nouveaux  travaux  de  la  Conférence  de  la
Haye.  —  Boissard,  Les  Emprunts  d’Etat,  usw.
3 )  Der  uns  vorliegende  Jahresbericht  der  Schule  schweigt  sich  über  das
nationalökonomische  Cercle  d’Etudes  aus.  Das  Hauptaugenmerk  des  Professors
der  Nationalökonomie  E.  Duthoit  scheint  auf  das  System  der  Verhältniswahl
gerichtet  zu  sein  ;  das  von  ihm  und  Professor  Fleurquin  geleitete  Cercle  d'Etudes
de  Droit  public  veranstaltete  ausschließlich  Vorträge  über  Fragen  der  Wahlsysteme. ­
  Der  Behandlung  der  in  Deutschland  und  in  der  Schweiz  üblichen
            
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