Die Freiheitskriege: 1809, i1815. 411
des Fanatismus, des Furor teutonicus, der Berserkerwut an,
der nur noch durch den Christenglauben gemäßigt wird. So hat
Arndt in den harten Tagen noch des Jahres 1812 gedichtet:
O Deutschland, heiliges Vaterland!
O deutsche Lieb' und Treue!
Du holdes Land, du schönes Land!
Dir schwören wir aufs neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht!
Den speise Kräh'n und Raben!
So ziehn wir aus zur Hermaunsschlacht
Und wollen Rache haben.
Laßt braufen, was nur brausen kann,
In hellen, lichten Flammen!
Ihr Deutschen alle, Mann für Mann,
Zum heil'gen Krieg zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan!
Und himmelan die Hände!
Und rufet alle, Mann für Mann:
„Die Knechtschaft hat ein Ende!“
Gewiß überwogen dabei schließlich noch fromme Regungen:
sobald das Gericht des Moskauer Brandes über Napoleon
hereingebrochen war, beugte man sich dem göttlichen Urteil, und
ber Ton der Dichtung erhielt einen stärkeren Beisatz altsittlicher
Festigkeit. Das ist die Stimmung, aus der Arndt den deutschen
Knaben sich dem Vaterlande geloben und in diesem Gelöbnis
beten läßt:
Du droben in dem Himmelszelt,
Der Sonnen lenkt und Herzen hält,
Du großer Gott, o steh mir bei,
Daß ich es halte wahr und treu!
Daß ich, vom Lug und Truge rein,
Dein rechter Streiter möge sein,
Daß dieses Eisen ehrenwert
Fürs Recht nur aus der Scheide fährt!
Und noch mehr schwollen bald die religiösen Empfindungen.
Mit welcher Innigkeit feierte man 1813 Ostern — das Fest der
Auferstehung!