Wirtschaftliche Ideen- und Tatgeschichte
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Merkantilismus ist der Ausdruck der Anstrengungen, die gemacht
wurden, um den Übergang der Stadtwirtschaften in
nationale zu bewerkstelligen und das Gedeihen der letzteren zu
sichern. Die verschiedenen und sich zum Teil widersprechenden
Ideen, die man mit dem Worte Merkantilismus bezeichnet,
lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen : 1. die Ideen,
welche sich auf die Währungssysteme und auf das Steigen und
Fallen der Preise infolge vorhandener Menge von Edelmetallen
oder eingetretener Seltenheit derselben in einem nationalen
Wirtschaftsgebiet beziehen; 2. die Lehren von der Bereicherung
der Völker durch Ansammeln von Edelmetallen, d. i. der Merkantilismus
im engeren Sinn. Mit der Idee der Anhäufung von
Edelmetallen ist — bei den verschiedenen Autoren in verschiedenem
Maße — die der Entwicklung der nationalen Produktivkräfte
verbunden.
Die merkantilistische Theorie ist eine Mischung von wahren
und falschen Anschauungen. Die reinen Merkantilisten betrachten
die Edelmetalle als Güter höherer Art. Sie glauben
an eine Art von Transsubstantiation, infolge der die Edelmetalle
die Quintessenz aller konsumierbaren Güter in sich konzentrierten.
In Wirklichkeit sind aber die Edelmetalle nur ein
nicht konsumierbares Äquivalent, ein Instrument zur Erleichterung
des Tauschverkehrs. Darum sind sie nur ein Mittel, nicht
ein Ziel, geschweige denn das höchste Gut. Es ist auch philosophisch
unhaltbar zu behaupten, ein virtueller Zustand eines
Gutes sei dem aktuellen überlegen.
Der Gutsbegriff der Merkantilisten ist jedoch nicht einheitlich.
Sie verstehen unter Nationalreichtum nicht nur die Menge
der angehäuften Edelmetalle, sondern manchmal auch die Gesamtheit
der Dinge, die geeignet sind, die Bedürfnisse der Individuen
zu befriedigen. Dementsprechend raten sie neben
Thésaurisation und Sparsamkeit gelegentlich auch produktive
Ausgabe der Edelmetalle 1 ).
Über die verschiedenen Verfahren merkantilistischer Wirtschaftspolitik
urteilt Dubois: Die Maßregeln, die darauf hinzielen,
die Edelmetalle im Lande zu behalten, sind nicht zu
rechtfertigen, weil das Ziel ein verfehltes ist. Die künstliche
') Dubois, loe. eit. p. 264.