Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  „interpsychologische“  Grundlegung  der  Nationalökonomie  485

haben  alle  erwähnten  Teilgebiete  quantitativen  Charakter.  Es
gibt  keinen  Menschen  und  kein  Volk,  der  oder  das  nicht  eine
quantitative  Mehrung  an  wirtschaftlichen  Gütern,  an  Ruhm,  an
Wahrheit,  an  Macht  oder  an  künstlerischer  Vollkommenheit  angestrebt ­
  hätte.  Von  allen  diesen  Quantitäten  ist  aber  bisher
nur  eine,  die  der  wirtschaftlichen  Güter,  als  solche  betrachtet
worden x ).
Zu  der  Volkswirtschaftslehre  übergehend  wirft  ihr  Tarde
des  weiteren  vor,  ihre  Grundbegriffe  andern  Wissenschaften  entlehnt ­
  zu  haben,  und  sucht  dies  im  einzelnen  darzutun  2 )  ;  dann
polemisiert  er  gegen  die  in  der  klassischen  Schule  traditionelle
Einteilung  des  volkswirtschaftlichen  Wissensstoffes  in  Produktion, ­
  Umlauf,  Verteilung  und  Verbrauch  der  Güter  und  ersetzt
dieselbe  durch  das  Schema:  Wiederholung,  Gegensätzlichkeit
und  Anpassung.
Der  Begriff  der  Produktion,  meint  Tarde,  kennzeichnet
das,  was  er  besagen  will,  nur  sehr  unvollkommen.  Denn  erstens
handelt  es  sich  nicht  um  eine  Erzeugung  wirtschaftlicher  Güter,
sondern  um  eine  Wiedererzeugung,  einen  Wiederholungs-,  Nachahmungsprozeß. ­
  Der  Begriff  „Erzeugung“  oder  „Produktion“
bezeichnet  dagegen  einen  Erfindungsprozeß.  Zweitens  kommen
im  Produktionsbegriff  die  persönlichen  Faktoren,  die  Erzeuger
wirtschaftlicher  Güter,  ihre  Rolle  und  ihre  Beziehungen  zu
einander  beim  Produktionsprozeß,  nicht  genügend  zum  Ausdruck. ­
  Die  Unterscheidung  der  Kategorie  Güterverbrauch  ist  unberechtigt; ­
  denn  der  Güter  ver  brauch  ist  von  der  Produktion
unzertrennlich.  Er  besagt  ein  individuelles  Genießen,  das  nur
insofern  einen  sozialen  Charakter  annimmt,  als  es  direkt  oder
indirekt  die  Wiedererzeugung  der  verbrauchten  Artikel  veranlaßt. ­
  Der  Güterumlauf  oder  Verkehr  ist  kein  selbständiger,  volkswirtschaftlicher ­
  Vorgang;  er  ist  nichts  als  eine  Folge  und  eine
Seite  der  Arbeitsteilung,  d.  h.  der  Wiedererzeugung  der  Güter.
Güterverteilung  endlich  ist  ein  zweideutiger  Begriff  :  versteht  man
darunter  die  Ausbreitung  der  Güter  über  den  Erdball,  so  ist  die
Verteilung  eine  Erscheinung  der  Wiedererzeugung;  versteht  man
aber  darunter  den  Tausch,  „die  Aneignung  der  Güter  und  die

0  Tarde,  loe.  cit.  p.  66  ff.
s )  ibid.  p.  68  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.