Abschnitt I. 347
schlichte Besinnung auf Dinge, die uns mehr oder minder selbst
verständlich sind. Machen wir uns dies einmal klar.
Für den ausübenden Historiker sind Geschichte und Volk
untrennbar; er steht eben unter dem Eindrücke der Bedingungen, an
die seine Tätigkeit als Geschichtsschreiber gebunden ist. Für den all
gemeinen Standpunkt aber gilt dies nicht. Da wird schlechthin an
das Geschehen gedacht, soweit es Menschen als Tat und Schicksal
erleben. Man kann behaupten, je unbefangener, je harmloser wir von
Geschichte sprechen — ohne die Wissenschaft zu meinen, die Historie —
desto weniger kann ein Mißverständnis darüber aufkommen, was wir
unter diesem Worte meinen: das Ganze der Menschenschicksale!
Während es nur unter dem Vorbehalt näherer Erklärung gilt, daß
Geschichte und Volk zueinander gehören, so gilt es ohne weiteres und
unbedingt, daß Geschichte und Mensch zueinander gehören.
Das soll natürlich keine These sein, ebensowenig wie ich dort eine
Definition der Geschichte gegeben hätte. Ich gehe hier nur jener
allgemeinen Ansicht auf die Spur, die zwar nirgends aus
gesprochen wird, aber desto inniger mit allen unseren Anschauungen
verwachsen ist.
Zur Geschichte gehört darnach also der Mensch; mit ihm steht
und fällt sie, daher beginnt und endet sie auch mit ihm; zum mindesten
in allerletzter Linie, und somit im ausschlaggebenden Sinne. Die
Grenzen der Geschichte, im Geiste jenes vierten Problemes, wären also
klipp und klar die Grenzen des Menschentumes: dort läge der
Anfang der Geschichte, wo das Menschentum anhebt. Eine Divergenz
bestände innerhalb dieser allgemeinen Ansicht nur darüber, ob man
sich dieses Anheben als einen Schöpfungsakt denken soll, oder als eine
Phase in der gattungsmäßigen Entwicklung der Lebewesen. Für uns
hier ordnet sich dieser Zwiespalt auf das einfachste. Die Natur der
einen Ansicht bringt es mit sich, daß sie vor keiner Erkenntniskritik
verantwortlich erscheint. Also bleibt für uns nur die andere Ansicht
relevant: die Lösung unseres Problemes vom Standpunkte
der sogenannten naturwissenschaftlichen Weltanschau
ung. Das ist es, demgegenüber eine Auseinandersetzung not tut, so
bald jenes vierte Problem zum Thema wird.
Soweit hier eine Lösung unseres Problems vorliegt, ist sie, prin
zipiell genommen, fast wider Willen und Wissen erfolgt. Nicht das
Problem hat die Lösung herbeigerufen; das Lösende hat sich vielmehr
ganz von selber eingestellt, im Gefolge der ganzen wissenschaftlichen
Entwicklung. Ein Umstand, der in gleich hohem Grade zur Kritik
herausfordert, wie er die Kritik auch erschwert. Es empfiehlt sich jeder-