Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick

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auf  dem  Gebiete  des  Unterrichtswesens  verwirklichte.  Batbie,
Professor  des  öffentlichen  Rechtes  an  der  juristischen  Fakultät
in  Paris,  wurde  auf  den  Lehrstuhl  für  Nationalökonomie  berufen.
Er  war  bereits  mit  volkswirtschaftlichen  Arbeiten  vor  die
Öffentlichkeit  getreten  und  darum  nicht  unvorbereitet,  wie  seine
Nachfolger  im  Jahre  1878  J ).  1870  gab  Batbie  das  Lehrfach
auf,  um  sich  ausschließlich  der  Politik  zu  widmen.
Henri  Baudrillart  (1821—1892)  trat  als  Philosoph  und
Historiker  an  die  Nationalökonomie  heran.  Seine  wirtschaftsgeschichtlichen ­
  Werke  haben  bleibenden  Wert 2 ).  Desgleichen
die  von  ihm  im  Auftrag  der  Académie  des  Sciences  Morales  et
Politiques  unternommene  Enquete  über  die  soziale  und  wirtschaftliche ­
  Lage  der  französischen  Landbevölkerung  (1880
bis  1893)  ö-Baudrillart
  war  eifriger  Mitarbeiter  des  Journal  des
Economistes,  der  Revue  des  Deux  Mondes  und  des  Journal  des
Débats.  1852—66  vertrat  er  Michel  Chevalier  in  dessen
Lehrtätigkeit  im  Collège  de  France;  als  Chevalier  1866  seine

9  Sein  1865  erschienenes  Werk  Cours  d’économie  politique,  2  Bde.,  ist
eine  oberflächliche,  überhastete  Arbeit,  welche  er  unternahm,  um  dem  Drängen
der  Studenten  nach  dem  Besitz  eines  Handbuchs  nachzukommen.
2 )  Insbesondere  :  J.  Bodin  et  son  temps,  mit  dem  Untertitel  :  Tableau  des
théories  politiques  et  des  idées  économiques  au  XVIme  siècle,  Paris  1853,  auf
Grund  welcher  Schrift  er  zum  Leiter  des  Journal  des  Economistes  berufen  wurde.
Ferner  Histoire  du  luxe  4  Bde.,  Paris  1880.  Dieses  Werk  ist  eine  gründlich
dokumentierte  und  kritisch  tüchtige  Arbeit.  Es  entstand  aus  Vorlesungen  über
Wirtschaftsgeschichte.  Charakteristisch  für  die  Behandlung  des  Mittelalters  und
der  Neuzeit  ist  die  zentrale  Stellung,  welche  der  Autor  seinem  Heimatland  einräumt. ­
  Frankreich  erscheint  als  der  Mittelpunkt,  von  wo  jeweils  aller  Luxus
ausgeht,  oder  wo  derselbe,  wenn  von  außen  kommend,  seinen  Höhepunkt  erreicht. ­

8 )  Diese  Enquete  sollte  eine  Parallele  bieten  zu  der  von  Louis  ßeybaud
unternommenen  Enquete  über  die  sozialen  und  wirtschaftlichen  Zustände  in  der
französischen  Industrie.  Baudrill  arts  Enquete  ist  weniger  brillant  in  der  Form,
aber  kritischer  und  tiefer  greifend  als  diejenige  Reybauds.  In  einem  ersten
Bande  (1880)  behandelte  er  die  Normandie  und  die  Bretagne,  im  zweiten  (1888)  die
Provinzen,  welche  von  Anjou  ausgehend  um  die  Isle  de  France  nordöstlich  bis
zur  Picardie  reichen,  im  dritten  (1893)  die  südöstlichen  Provinzen.  Die  Einteilung ­
  nach  Provinzen  empfahl  sich,  weil  die  alte  Einteilung  Frankreichs  wirklichen ­
  geographischen,  ethnographischen  und  historischen  Verschiedenheiten  entsprach. ­
  Der  Tod  überraschte  Baudrillart,  bevor  er  das  Werk  zum  Abschluß
gebracht  hatte.  Sein  Sohn  wurde  von  der  Akademie  mit  der  Fortsetzung  beauftragt.
            
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