Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

Elftes Kapitel. 
Die Entwicklnng des Tauschverkehrs und die 
Wirtschaftsorganisation. 
Die Entwicklung des Tauschverkehrs stand in engem Zu 
sammenhänge mit der Wirtschaftsorganisation, wie dies schon 
aus unserer Analyse der Gemeinde- und Rayonwirtschaft her 
vorgeht. 
Die Ausscheidung des Handwerks aus der Naturalwirtschaft 
ging deshalb vor sich, weil die Gewerbeerzeugnisse in der Hand 
werkerwerkstatt produktiver hergestellt werden konnten als in der 
Bauernhütte. Gewisse Gegenstände konnten überhaupt nur von 
spezialisierten Handwerkern produziert werden, die ihre Arbeit 
vorher erlernen mußten. So führte die Entstehung des Hand 
werks, selbst Resultat der Entwicklung der Produktivkräfte, zum 
Tausch verkehr innerhalb der Wirtschaftsorganisation, inner 
halb der Gemeinde- und Rayonwirtschaft. 
Gleichzeitig entwickelte sich wiederum infolge der Verschie 
denheit der Arbeitsproduktivität ein Warenaustausch zwischen 
den einzelnen Wirtschaftsorganisationen. Die Ackerbauer und 
Hirten tauschten die Erzeugnisse ihrer Wirtschaft gegen Fische, 
Metalle usw. aus, weil die Bewohner der Flußufer oder der eisen 
reichen Gegenden jene Gegenstände .gewinnen konnten, die die 
Einwohner anderer Gebiete nicht hatten. 
Zur Zeit des Handels mit „auswärtigen“ Produkten, wo der 
Tauschverkehr noch nicht den Charakter einer ständigen In 
stitution hatte, diente als allgemeines Tauschmitiel das Vieh. 
So war es in Altgriechenland, wie aus der Ilias und Odyssee be 
kannt ist. So war es auch bei den Galliern und Slawen. Die 
Gallier erhielten im Austausch gegen Vieh: Wein, Pferde, Gold, 
Silber, Erz, Eisen, Färberröte.*) 
*) Ad. Beer, Allg. Geschichte des Welthandels, 1860, Bd. I, S. 225. 
Mas slow, Die Theorie d. Volkswirtsch. 
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