Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Photographische Trockenplatten 339 Photographische Trockenplatten 
wird, deshalb sucht der Fachphotograph nach 
Platten der höchsten Empfindlichkeit; ebenso 
sind für Momentaufnahmen von bewegten Ob 
jekten, wie sie jetzt überall in so großer Menge 
hergestellt werden, diejenigen Platten die ge 
suchtesten, welche die höchste Empfindlich 
keit aufweisen. Platten werden daher nach 
ihrer hohen Empfindlichkeit gewertet. Man mißt 
die letztere nach verschiedenen Skalen, z. B. 
nach Graden Warnerke, Graden Scheiner 
usw. (leider sind die Angaben der Fabriken über 
die Grade der Empfindlichkeit usw. nicht immer 
unbedingt zuverlässig). Wie hoch empfindlich 
Platten gegenwärtig hergestellt werden können, 
erhellt aus der Tatsache, daß man gut durchgear 
beitete Aufnahmen im Freien, z. B. von fahrenden 
Automobilen, Sportaufnahmen usw. bei gutem 
Licht mit modernen, lichtstarken Objektiven in 
weniger als V2000 Sekunde und in gewöhnlichen 
hellen Wohnräumen Momentaufnahmen von ein 
zelnen Personen und kleinen Gruppen in Bewe 
gung (in etwa V15 Sekunde) machen kann. Eben 
so ist man imstande, bei Nacht, also unter Aus 
schluß von Tageslicht, bei Gasglühlicht (nament 
lich hängendem Glühlicht) in 3—10 Sekunden 
gute Porträtaufnahmen (besonders auf ortho 
chromatischen Platten) zu machen. Neben 
der hohen Empfindlichkeit ist auch die Kraft 
der Platten eine notwendige Eigenschaft guter 
Fabrikate, d. h., daß sie in geeigneten Entwick 
lern in nicht zu langer Entwicklungszeit kräftige 
Negative ergeben, die gute Abzüge — Kopien — 
liefern, und schließlich muß noch die sog. Gradu 
ierung — d. h. die korrekte Wiedergabe der 
höchsten Lichter, der Halbtöne und der tiefsten 
Schattendetails der zu photographierenden Ob 
jekte’ — als besonders wichtig hervorgehoben 
werden. Dies gilt namentlich für den Fachphoto 
graphen bei Porträtaufnahmen. Daß die Platten 
klar arbeiten müssen, d. h. nur an den wirklich 
belichteten Stellen im Entwickler einen Silber 
niederschlag geben dürfen, also keinen „Schleier“ 
haben, versteht sich von selbst; auch sollen gute 
Platten eine genügende Haltbarkeit über Jahr 
und Tag besitzen, d. h. nicht schleierig werden 
Und nicht nach längerer Zeit nur kraftlose, sog. 
«flaue“ Negative bilden. Die Herstellung solcher 
Platten von besonderer Güte und höchster Emp 
findlichkeit bietet besondere Schwierigkeiten, und 
deshalb stehen derartige Platten am höchsten 
Wx Preise. Gewöhnliche photographische 
Platt en sind hauptsächlich empfindlich für vio 
lette, blaue und blaugrüne Strahlen; die unserem 
Auge am hellsten erscheinenden gelbem, orange 
Und gelbgrünen Strahlen werden nur ungenügend 
v on der photographischen Platte wiedergegeben. 
Diesem Übelstande helfen die 'orthochromati 
schen Platten ab, die wir einer Entdeckung des 
u m die Photographie außerordentlich verdienten 
Prof. H. W. Vogel in Berlin verdanken. Vogel 
fand im Jahre 1873, daß durch Zufügung ge 
wisser Farbstoffe — Sensibilisatoren, wie sie 
^ogel nannte — zum Brom- oder Jodsilber dieses 
bedeutend empfindlicher für die grünen, gelben 
^nd orange Strahlen gemacht wird. Die „ort ho 
chrein atischen Platten“ des Handels, die 
hauptsächlich neben der Blauempfindlichkeit 
ner gewöhnlichen Platten auch hohe Empfind 
lichkeit für Gelb, Gelbgrün und Orange besitzen, 
werden zum größten TeiTdurch Flinzufügen von 
Erythrosin- oder Erythrosin-Silber-Lösung zur 
Emulsion hergestellt. Gute Platten der Art sind 
über Jahr und Tag haltbar und können jetzt 
ebenso empfindlich hergestellt werden wie ge 
wöhnliche Platten. Sie zeigen selbstredend bei 
künstlichem Lichte, das verhältnismäßig reicher 
an gelben und grünen Strahlen ist als Tages 
licht, wie z. B. Gasglühlicht, Petroleumlicht oder 
elektrisches Licht, höhere Empfindlichkeit als die 
gewöhnlichen Platten und werden jetzt von vielen 
bedeutenden Fabriken zu demselben Preise wie 
gewöhnliche Platten verkauft. Sie müssen natür 
lich in besonders sorgfältig ausgewähltem roten 
Lichte entwickelt werden — man läßt bei der 
Entwicklung selbst nicht zu viel rotes Licht auf 
sie fallen — bieten aber sonst bei der Behandlung 
weiter keine Schwierigkeiten. Sie sollten deshalb 
in allen Fällen, wo farbige Objekte zu photo 
graphieren sind, vorzugsweise verwandt werden. 
Hat man in den zu photographierenden Objekten 
sehr viel Blau, wie z. B. bei der Reproduktion 
von Gemälden oder auch bei .Hochgebirgsauf- 
nahmen mit Gletscherhintergrund usw., so muß 
man sich eines sog. Gelbfilters bedienen, um die 
überwiegenden blauen Strahlen abzuschneiden, 
da selbst die orthochromatischen Platten 
noch höhere Empfindlichkeit für blaue Strahlen 
als für die grünen und gelben besitzen. Für den 
Dreifarbendruck wie überhaupt für die Far 
benphotographie benutzt man sog. panchroma 
tische Platten, die auch für rote Strahlen emp 
findlich 'sind. Diese werden durch „Sensibili 
sieren“ mit Äthylrot, Pinachrom, Pinazyanol usw. 
hergestellt, sind aber nur mit größter Vorsicht 
zu verarbeiten und nur für ganz spezielle Zwecke 
und von erfahrenen Fachmännern zu verwenden. 
Photographiert man im Freien gegen das Licht, 
oder macht man Zimmeraufnahmen gegen die 
Fenster oder überhaupt Aufnahmen von Ob 
jekten, die sehr große Lichtkontraste aufweisen 
— z. B. spiegelnde Metallflächen oder dgl. — so 
treten häufig die gefürchteten „Lichthöfe“ auf, 
d. h. breite Säume um die hellsten Stellen oder 
auch — wie z. B. bei Fenstern — werden alle 
Details verwischt. Dagegen helfen licht hof 
freie Platten, die man entweder herstellt durch 
Hinterstreichen der gewöhnlichen Platten mit 
bestimmten farbigen Lacken oder Lösungen (z. B. 
Antisol, Rotlack, Karamell usw.) oder durch Vor 
präparation des Glases mit einer gefärbten Gela 
tineschicht (sog. Isolarplatten), oder indem 
man eine sehr unempfindliche, silberreiche, un 
durchsichtige Emulsion auf das Glas gießt und 
darauf erst die hoch empfindliche Schicht bringt 
(sog. Doppelschichtplatten). Durch alle diese 
Mittel wird verhindert, daß die Lichtstrahlen an 
den hellsten Stellen die Emulsionsschicht durch 
dringen, auf das Glas treffen und von dem Glase 
wieder zurückgespiegelt werden, wodurch eben 
die Lichthöfe entstehen. Natürlich sind solche 
Platten schon in der Herstellung teurer als die 
gewöhnlichen. Für die Reproduktion von Strich 
zeichnungen, von Katalogabbildungen, von Kar 
tenblättern oder Illustrationen aus Büchern usw. 
bedient man sich sog. „photomechanischer 
Platten“. Diese sind sehr unempfindlich, haben 
keine sog. Halbtöne, sondern geben nur den 
weißen Grund des Originals ganz schwarz, viel
	        
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