Object: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

IV. 2. Alter und Familienstand. 
33 
Der Anteil der Verheirateten wird neben dem 
Zuwachs durch neue Ehen und dem Abgang durch 
Todesfälle der verheirateten Personen, worüber nach 
stehend einige Vergleichsziffern mitgeteilt werden, 
auch durch die Familienstandsgliederung des durch 
Wanderungsgewinn entstehenden Bevölkerungs 
zuwachses beeinflußt, die jedoch bei Bearbeitung der 
Wanderbewegung bisher nicht berücksichtigt wurde. 
Ferner kommen bei der Berechnung der allgemeinen 
Familienstandszahlen etwaige Schwankungen in der 
Geburtenhäufigkeit in Betracht. 
Jahrfünfte 
1876—1880 . . 
1881—1885 .. 
1886-1890 . . 
1891—1895 .. 
1896—1900 .. 
1901—1905 .. 
1906—1910 . . 
Eheschließungen 
auf 1000 Einw. 
10,28 
8,73 
9,44 
9,42 
8,78 
8,(10 
8,77 
Verheiratet gestorbene 
Männer 
Frauen 
8 704 
5265 
9 558 
5636 
11 285 
7581 
10 249 
6088 
11408 
6947 
13 147 
8196 
Die Heiratsziffer war also seit den siebziger Jahren 
gesunken, zeigte aber in dem letzten Jahrfünft eine 
kleine Zunahme. In der Sterblichkeit der Ver 
heirateten sind erhebliche Veränderungen nicht 
eingetreten. 
Der Anteil der Geschiedenen war in Wirk 
lichkeit größer, als die Ziffern der folgenden Über 
sicht angeben, da erfahrungsgemäß ein Teil der 
Geschiedenen bei den Aufnahmen sich als ver 
heiratet oder verwitwet bezeichnet. Der ermittelte 
Anteil ist bei beiden Geschlechtern gegenüber 1905 
gestiegen. — Verheiratete Personen, die sich als 
„getrennt lebend“ bezeichnet haben, sowie 
„eheverlassene“ Personen sind in den Tabellen zu 
den Verheirateten gerechnet; sie sind aber auch für 
sich nach dem Alter ausgezählt worden und werden 
in der folgenden Übersicht nach Altersjahrfünften 
zusammengestellt. 
Getrennt lebende Getrennt lebende Getrennt lebende 
Altersklassen 
Männer 
1910 
1905 
über 15 b. 20 Jahre 
— 
— 
„ 20 „ 25 
9 
53 
17 
„ 25 „30 
39 
356 
115 
30 „35 
51 
587 
224 
„ 35 „40 
49 
629 
240 
„ 40 45 
51 
634 
267 
„ 45 „50 
39 
601 
279 
„ 50 „ 55 
35. 
496 
256 
„ 55 „ 60 
26 
384 
172 
„ 60 „65 
13 
239 
100 
.. 65 „70 
7 
151 
63 
70 „75 
2 
78 
28 
„ 75 „80 
1 
25 
8 
„ 80 „85 
11 
10 
2 
„ 85 „90 
11 
2 
— 
über 90 
1 
— 
Alter unbekannt 
1 
2 
— 
Zusammen . 
323 
4248 
1771 
Frauen 
Ehegatten (M. 
u. Fr.) 
1910 
1905 
1910 
1905 
2 
13 
13 
2 13 
13 
26 
278 
76 
35 331 
93 
53 
590 
292 
92 946 
407 
70 
811 
380 
121 1398 
604 
66 
853 
448 
115 1482 
688 
60 
797 
448 
111 1431 
715 
59 
715 
424 
98 1316 
703 
38 
619 
324 
73 1115 
580 
30 
453 
274 
62 837 
446 
23 
330 
152 
36 5 69 
252 
10 
158 
59 
17 209 
122 
4 
76 
33 
6 154 
61 
25 
9 
1 50 
17 
2 
3 
12 
5 
1 
1 
3 
1 
— 
— 
1 
— 
— 
1 
1 2 
1 
447 
5721 
2937 
770 9969 
4708 
Die kleinen Zahlen bezeichnen hie Eheverlassenen; sie sind in den 
Zahlen der Getrenntlebenden enthalten. 
Männer 1,08 und von 100 aller verheirateten Frauen 
1,83 getrennt lebten, betrugen die entsprechenden 
Verhältniszahlen im Jahre 1910 2,18 bzw. 2,94 %. 
Die Zahl der getrennt lebenden Männer hat sich im 
letzten Jahrfünft um fast 140 %, diejenige der 
getrennt lebenden Frauen um fast 95 % erhöht. 
Bei einem Vergleiche des Familienstandes der 
Bevölkerung in der Stadt Hamburg und im Land 
gebiete ergibt sich unter Zugrundelegung der 
allgemeinen Familienstandszahlen folgendes Bild. 
Von 100 der ortsauwesenden Bevölkerung waren 
Ledige 
in der Stadt .. 55,50 
auf dem Lande 57,91 
im Staate 55,70 
Verheiratete 
38,47 
36,77 
38,83 
Verwitwete Erwachsene 
u. Geschiedene zusammen 
6,08 72,42 
5,32 69,92 
5,97 72,22 
Der Anteil der Ledigen war in der Stadt kleiner als 
auf dem Lande; umgekehrt lagen die Verhältnisse 
bezüglich der Erwachsenen. Auch bei den Ver 
heirateten, Verwitweten und Geschiedenen finden wir 
in, der Stadt höhere Anteilsziffern als auf dem Lande. 
Die verschiedenartige Gestaltung der Familien 
standsverhältnisse in den einzelnen Stadt 
teilen ist auf Eigentümlichkeiten zurückzuführen, 
von denen wenigstens die augenfälligsten im An 
schluß an die Tabelle 18 besprochen werden sollen. 
Einzelne Stadtteile, wie Steinwärder, Kleiner Gras 
brook, Veddel und die Schiffe im Hafen, sind dabei 
wegen ihrer kleinen bzw. eigenartigen Bevölkerung 
außer Betracht zu lassen. Die meisten Ledigen 
finden wir in Rotherbaum (64,5 %) und Harvestehude 
(63,13 %). Diese Stadtteile waren, wie an anderer 
Stelle gezeigt wurde, zugleich die kinderärmsten. Die 
besonders hohen Prozentzahlen der Ledigen sind 
hier auf großes Dienstmädchenpersonal und in 
Rotherbaum außerdem noch auf die Militärpersonen 
der dort gelegenen Kaserne zurückzuführen. Das 
verhältnismäßig kinderreiche Hamm wies dagegen 
mit 51,84 % die niedrigste Ledigenzahl auf. Hohe 
Verhältniszahlen finden wir außerdem in den Stadt 
teilen mit stark entwickeltem Einlogiererwesen 
(Altstadt, Neustadt, St. Georg, St. Pauli). 
Über die Abweichungen der Zusammensetzung 
der hamburgischen Bevölkerung nach dem Familien 
stände von derjenigen der Reichsbevölkerung 
geben die folgenden Ziffern in großen Zügen Auf 
schluß. (Für das Deutsche Reich ist der Familien 
stand im Jahre 1905 nicht bearbeitet worden.) 
Von 100 der ortsanwesenden Bevölkerung waren 
Ledige 
Verheiratete 
Verwitwete 
u. Geschiedene 
Deutsches ßeich 
1900 
59,47 
34,76 
5,77 
1910 
58,70 
35,78 
5.54 
Hamburgischer Staat 
1900 
57,94 
36,02 
6,04 
1905 
56,99 
37,07 
5,94 
1910 
55,70 
38,88 
5,97 
Aus der Übersicht geht hervor, daß die Zahl der 
getrennt lebenden verheirateten Personen im letzten 
Jahrfünft ganz erheblich zugenommen hat. Wäh 
rend im Jahre 1905 von 100 aller verheirateten 
Statistik des Hamburgischen Staates. XXVIII. 
Die bereits 1900 im Familienstandsaufbau der 
beiden Gebiete bestehenden Unterschiede haben sich 
im letzten Jahrfünft noch deutlicher ausgeprägt, 
indem der Rückgang des Anteils der Ledigen und 
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