Abschn. 59. Staatsnotariat, Privatnotariat, Banknotariat.
273
Gaue (vgl. S. 275), und seine Beurkundungen gelten nicht bloß für
den Geschäftsbereich der städtischen Verwaltung, sondern haben
eine unbeschränkte, staatsseitig anerkannte Geltung. Die Amtsbezirke
der ptolemäischen dTopavogoi kennen wir nur aus der Thebais; dort
ist bald der ganze Gau \ bald nur eine Toparchie^ ihr Amtsbezirk.
Von Hause aus war es Aufgabe der dTopavopoi, das Marktwesen3
zu überwachen, d. h, den Handverkauf polizeilich zu beaufsichtigen^,
die Verkaufsstände des Marktes zu verpachten» und
auf Wunsch über die auf dem Markte® vor sich gegangenen Verkäufe
Schriftsätze für die Partner anzufertigen. In dieser letzteren
Tätigkeit liegt der Ursprung des Notariates.
Die früheste Erwähnung des dyopavopog (àTopavopeîov) geschieht
in P. Hib. I 29 (um 265 v. Chr.), demnächst in P. Magdol. 31
(218 V. Chr.). In römischer Zeit wirken im dTopavojueiov gleichzeitig
mehrere dyopavopoi, deren Zahl schwankt. So sind für
Oxyrhynchos bald 2, bald 3, bald 5 dyopavópoi als KoUegialbehörde
bezeugt (P. Oxy. I 99, 2; II 375; I 73, 6).
Neben dem dyopavópoç erscheint als staatlich anerkannter
Notar noch der pvppwvl Der pvnpiuv wirkt als solcher zweifellos
schon in ptolemäischer Zeit, denn in P. Teb. I 166 (zwischen 107
und 101 V. Chr.) wird ein dpxpov tujv pvnpoviuv, mithin ein Amtsbüro
der pvppoveç, erwähnt. In zwei Papyrusstellen aus römischer
Zeit wird der dïopavôpoç ausdrücklich zugleich als pviipiov bezeichnet,
nämlich in BGU. 177, 6 (um 45 n. Chr.) : tOüi dycpavopuji,
övTi òè Kttl pviipovi, sowie in P. Oxy. III 483, 19 (108 n. Chr.) :
TOÏÇ xfiç priTpOTTÓXeujç dTopavópo[iç, oöai òè] Kai pvnpoffi. Der
pvnpiuv wird ein aus älterer Zeit herrührender Privatnotar sein,
‘ P. Par. 7, 2 (101 v. Chr.) ; P. Amh. II 45, 8 (Euergetes II.).
* P. Grenf. II 23 a (107 v. Chr.) ; II 24, 3 (105 v. Chr.) usw.
® Wilcken, Ostraka I S. 131; Goodspeed, Ostrakon Nr. 6 in Americ>
Journ. of Phil. XXV S. 51.
* Vielleicht hängt es hiermit zusammen, wenn ein Erlaß in P. Hib. I
29 (um 265 v. Chr.) anordnet, daß der Steuerpächter, der die Sklavensteuer
gepachtet hat, ein Verzeichnis der Sklaven aufstellen und täglich berichtigt
vor dem dyopavopemv öffentlich aushängen soll, damit jedermann prüfen
könne, ob die Angaben richtig sind.
® P. Stud. Pal. V Nr. 102 (um 266 n. Chr.).
® Daher die Wendung èv dyvii^ (P. Oxy. I 73; 99; 105 usw.). Wenger,
Stellvertretung S. 239, erklärt das '¿v dyuiqi' unrichtig durch „ohne behördliche
Mitwirkung“. Vgl. Grenfell und Hunt, P. Oxy. I 73, 22 Anm.
^ Literatur: Mitteis, Reichsrecht S. 171 ff.; Archiv I S. 190f.; Naber,
Archiv II S. 32; Eger, Zum ägypt. Grundbuchwesen S. 113f.
Preisigke, Girowesen im griech. Ägypten.
18