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Teil IV. Girobanknotariat.
wird nicht nur beim KaiaXoTeiov des àpxiòiKaaxnç, sondern auch
bei anderen Behörden die dienstmäßige Prüfung von Schriftstücken
bezeichnet, z. B. P. Amh. II 33, 22 (157 v. Chr.): àTrocrieiXai fiiaújv
Tfjv ëvxeuHiv èm xoùç aùxoùç xpni^axiaxâç, ôttujç èni xf^ç ôiaXothÇ
xüùv èvx[eù]Heuuv cruvxáHiucriv kxX.; ferner P. Pay. 11, 24 (115 v. Chr.):
à'iTo[(j]xeîXai pou xf|v êvxeuHiv èiri x[o]ùç èirl xüùv [xjôitiuv xPüPaxKTxàç,
— ÔTTUJÇ ôiaXéHavxeç aùxf|V kxX.
Die biaXoTü und in ihrem Verfolge die òripoffíujaiç findet im
KttxaXoTeîov selber statt, wie aus P. Lond. Ill S. 159 Nr. 1164 d, 6f.
(212 n. Chr.) hervorgeht: xaxà òicrcròv x[i]pÓTpacpov — òeòri-
poCTiujpévov èv xô) KaxaXoYeíqj. Die òiaXepí ònpoffiiúcreujç ^ ist also
eine Prüfung darüber, ob die Verleihung der öffentlichen Rechts
kraft (òripoaíujuiç) angängig ist. Über die Einzelheiten des Ver
fahrens vgl. P. Straßb. I S. 108 f.
Ist die òrmocríujffiç erteilt, so wird der Antragsteller hiervon
durch den àpxibiKacrxiíç oder sein Büro in Kenntnis gesetzt; zu
gleich wird der nunmehr rechtskräftig gewordene Handschein den
alexandrinischen Besitzämtem überwiesen Wenn das KaxoXofeiov
über die laufenden Schriftsachen, wie jede andere Behörde ein
Amts Schriftenbuch führt (vgl. S. 297) und auch die sonst noch^
vorgeschriebenen dienstmäßigen Vermerke zur Sicherung des Ce-
schäftsbetriebes führt, so darf man das KaxaXoTeiov dieserhalb nicht
als Archiv bezeichnen. Daher ist es unrichtig, wenn man von
einem „Archivamte“ des àpxiòiKacrxiíç spricht“.
Der Bescheid des àpxiòiKaaxiíç auf die Eingabe ergeht
an die Adresse des obersten Beamten des betreffenden Gaues (des
íTxpaxriTÓç), wird aber, wie das im ägyptischen Kanzleidienste üblich
war® (vgl. oben S. 240 und 265), dem Antragsteller behändigt.
Der Antragsteller seinerseits hat nun die weiteren Schritte zu tun,
um zu seinem Rechte zu gelangen ; er stellt beim cjxpaxriTÓç unter
» BGU. 578, 4 (189 n. Chr.) ; 614, 4 (217 n. Chr.).
* P. Straßb. I S. 109.
® Von dem Amtsschriftenbuche ist das Amtstagebuch zu unter
scheiden. Jenes enthält die Eingänge und Ausgänge der Schriftsachen, dieses
die tägliche Tätigkeit eines Beamten. Über die Amtstagebücher vgl. Wilcken,
Philol. 1894 S. 101.
^ P. Oxy. I 34 Kol. II, 2 ff. (127 n. Chr.).
* Paul M. Meyer, Klio VI S. 447 Anm. 1; Koschaker, Zschr. d. Sav.
Stift. 1907 S. 267.
® P. Straßb. I S. 23. Die Übermittelung der Entscheidung ist die pe-
xdbooiç ; vgl. P. Oxy. VI 906, 9 (2./3. Jahrh. n. Chr.).