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Zeitalter, wie es das unsrige ist, wo man sieht, wie mit Geld selbst die Masse des in
telligenten Bürgertums geblufft werden kann, wo Komödie auf Komödie gespielt wird
mit dem Begriff Vaterlandsliebe, mit Titeln und Orden, da ist es gewiss sehr schwer,
noch daran zu glauben, dass es möglich sein könnte, die Maske der Heuchelei, ja des
offensichtlichen Betruges herunterzureissen.
Aber dennoch bringt der Wandel der Zeit viel. Die Hauptsache ist, dass immer
wieder das ausgesprochen wird, was ausgesprochen werden muss. Jedenfalls ist aber
das eine zu erreichen, dass wir unsere Mitmenschen und die politischen Parteien vor
entscheidende Fragen stellen können und so erkennen, wo Ehrlichkeit und Heuchelei stehen.
Warum soll es unmöglich sein, unsere Regierung zu veranlassen, eine ständige
Kommission von Fachleuten zu berufen, die sich mit den Untersuchungen beschäftigt,
wo und wie weit der Grossbetrieb technisch und wirtschaftlich berechtigt und not
wendig ist, und wo die Konzentration und Aufsaugung aus rein grosskapitalistischen und
Machttendenzen erfolgt. Weiter festzustellen, was die Regierung unter „staatserhaltend“
eigentlich versteht, und ob sie weiter diejenigen, die wirtschaftlich selbständige Existenzen
vernichten, ohne dass zwingende Gründe vom nationalwirtschaftlichen Gesichtspunkte
aus bestehen, als Stützen des Staates und nationale Männer betrachten will. Und eben
so ist es mit der sozialen Frage. Hier gibt es auch nur die eine entscheidende Stellung,
zu der Kinderbeschränkung oder Kindervermehrung im nationalen Interesse und den sich
hieraus ergebenden, unabweisbaren Pflichten des Staates und der Gesellschaft gegenüber
denen, die die entstehenden Lasten der Kinderernährung und Erziehung allein nicht
tragen können.
Wenn wir allerdings beachten, dass die in Frage kommenden Kreise, die die Fähig
keiten und grossen Kräfte besitzen, um erfolgreich eingreifen und helfen können, mit
dem Orosskapital aufs engste verbunden, also unfreie Männer sind, so ist allerdings nicht
viel zu hoffen, dass von dieser Seite Mitarbeiter und Förderer gewonnen werden
können. Aber gerade deshalb sollten diese Fragen von so grosser praktischer Bedeutung
und Wert vor das Forum der Oeffentlichkeit gebracht werden, damit das Bürgertum
endlich, endlich erkennen lernt, dass garnicht die grosse Masse der Arbeiter, die Um
sturzpartei, gegen die es gehetzt wird, ist, sondern dass von der ganz entgegengesetzten
Seite der Auflösungsprozess unseres auf wirtschaftlicher Freiheit und damit auf freier
Entwicklung und Auswirkung von möglichst vielen selbständigen Persönlichkeiten auf
gebauten Wirtschaftskörpers eingeleitet und mit Riesenkräften betrieben wird.
Es bietet sich hier ein Weg, das Bürgertum aus seiner Lähmung wieder aufzurütteln
und einen grossen nationalen Schwung hineinzubringen. Nicht das Kapital und die
grosszügigen Unternehmer gilt es zu bekämpfen und zu vernichten, sondern jene Ge
bilde eines unnatürlichen, eines Kunstprozesses, die nur geschaffen werden aus dem Be
dürfnis einzelner Giganten, die ihren Tatendrang, gleich Napoleon dem Grossen, nur mit
der Höchstleistung, ohne Rücksicht auf Kosten und Opfer und nationale Interessen,
befriedigen wollen.
Daher heisst die Fragestellung nicht: Wie kommen wir zu Rekordleistungen im
Aufbau vom Grossbetrieben, sondern wie erhalten wir möglichst zahlreiche, selbständige
und selbstverantwortliche, schöpferische, freie Persönlichkeiten. Eine solche Frage gehört
nicht in das Reich der Utopie, sondern dürfte wohl einer ernster Prüfung durch die
Fähigsten wert sein, wenn diese Gewähr bieten für ihre Unabhängigkeit, Ehrlichkeit und
Wahrhaftigkeit.