Dies ist jetzt anders geworden. Binnen weniger Wochen
werden ganze Ernten, zu deren Bewältigung früher die gesamte
Seglerflotte nicht ausgereicht hätte, durch eigens für ihren Trans,
port hergerichtete Dampfer herübergeschafft. Dadurch zieht sich
ganz von selbst das Geschäft auf die Ankunftswochen zusammen.
Die Tabak-, die Baumwolle-, die Kaffeeankünfte sind in der großen
Hauptsache schon in den ersten Wintermonaten an die »zweite
Hand« übergegangen; vielfach werden sie sogar schon vor An
kunft, ja die Wolle wird nicht selten noch auf den Schafen ver
kauft. Die »zweite Hand,« die für die Verteilung der Ware im
Inlande zu sorgen hat (»oberländisches Geschäft«), hat im ganzen
Jahre wegen des sich gleich bleibenden Verbrauchs ununterbrochen
zu tun, für den Transporteur dagegen beginnt nach Abstoßung
der Einfuhr eine flaue Zeit, die »tote Saison«, die bis zum Ein
treffen der nächsten Ernte währt.
In dieser toten Saison liegen die Kräfte brach. Der Ham
burger, der übrigens wegen der Vielzahl seiner zu verschiedenen
Jahreszeiten eintreffenden Artikel weniger darunter zu leiden hat,
nutzt seine und seiner Angestellten freie Arbeitskraft dadurch aus,
daß er sie für die Ausfuhr arbeiten läßt. Der Bremer (weniger
die Baumwoll- und Tabakimporteure als die andern) beschäftigt
sich dann zwar auch mit der Ausfuhr, aber mehr so nebenbei,
mehr aus Spielerei, wenn man so sagen darf. Die kleinen Sendungen
mit der verhältnismäßig vielen Schreibarbeit und den unausbleib
lichen Zollscherereien im fremden Lande sind nicht nach seinem
Geschmack, scheinen ihm gegen den Strich zu gehen; sie sind
nicht so recht eines »Großkaufmanns« würdig. Diese Beobachtung
ist häufig gemacht worden. Die freie Zeit verwendet man lieber
zum Ausruhen auf dem Lande oder zum Sport.
Ebenso verhält es sich mit den überseeischen Zweiggeschäften
solcher nur einen Artikel führenden Importfirmen. Auch dort
läßt sich sehr häufig die gleiche Teilnahmslosigkeit gegen alles,
was nicht mit dem Llaupt- oder alleinigen Artikel zusammenhängt,
beobachten. So z. B. nach einer Notiz der »Bremer Nachrichten«
vom 19. Dezember 1909, »im Wollhandel bei den bremischen
Filialen in Uruguay und Argentinien, wo sich das ganze Geschäft
auf die Zeit der Schafschur zusammendrängt«. Wie nahe läge es
nicht, daß diese kapitalkräftigen Häuser ihr Interesse auch anderen
Ein- und Ausfuhrwaren der betreffenden Länder zuwendeten, wie
leicht könnten sie in gemeinsamer Arbeit mit ihren Stammhäusern
oder diesen befreundeten Firmen einen regen und lohnenden Waren-
Gehrke, Bremens Warenh an de]. 7