Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisenjodür 
105 
Eisenvitriol 
und scharfen Geschmack und werden ihres gro 
ßen Akonitingehaltes wegen gewöhnlich zur Dar 
stellung dieses giftigen Alkaloids sowie von 
Extractum und Tinktura aconiti benutzt. In 
neuerer Zeit sind auch japanische Akonitknollen 
unter dem Namen Tsaou-woo in den Handel 
gekommen, die außer Akonitin noch ein anderes 
Alkaloid, das, Japakonitin, enthalten. 
Eisenjodür (Ferrojodid, Jodeisen, lat. Fer 
rum jodatum, frz. Jodure de fer, engl. Iron jo- 
dide) wird durch Glühen von Eisenfeile mit 
überschüssigem Jod und nachfolgendes Umkri 
stallisieren der Schmelze aus Wasser in Form 
blaßgrünlicher Kristallkrusten von der Formel 
Fe) 2 -}-H 2 0 erhalten. Das wasserfreie Salz bil 
det ein weißes Pulver, das an der Luft leicht 
Feuchtigkeit anzieht und dabei grün und braun 
wird. Das Salz ist, wie seine wäßrige Lösung 
(Liquor ferri jodati), leicht zersetzlich und 
wird daher zur Erhöhung der Haltbarkeit oft 
mit Rohrzucker, Milchzucker oder Zuckersirup 
versetzt. Die dann erhaltenen Präparate, Fer 
rum jodatum und Sirupus ferri jodati, fin 
den in gleicher Weise wie die wäßrige Lösung 
zur Erzielung vereinigter Eisen- und Jodwirkung 
medizinische Anwendung. 
Eisenmennige, natürliches, feingemahlenes 
Eisenoxyd (Blutstein), oder auch unreines Eisen 
oxyd mit etwa 30% Beimengungen, wird anstatt 
der gewöhnlichen Mennige zum Anstreichen von 
Eisenkonstruktionen benutzt. 
E senoxyd, Eisensesquioxyd, Fe 2 0 3 (lat.Fer 
rum oxydatum, frz. Oxyde de fer, engl. Oxyd 
of iron), wird gewöhnlich als Nebenprodukt bei 
der Bereitung des Nordhäuser Vitriolö s aus 
Eisenvitriol erhalten und auch unter den Namen 
Englischrot, Polierrot, Kolkothar, Caput 
mortuum, Totenkopf in den Handel gebracht. 
In der Natur kommt es als Blutstein, Häma 
tit. Glaskopf (lat. Lapis häematitis, frz. He- 
matile, engl. Haematile) oder Roteisenstein 
vor, die ebenfalls einen Handelsartikel bilden, 
^lan benutzt sowohl dieses natürliche als auch 
das künstliche E. als Poliermittel für Glas, Stahl 
and Goldwaren, für letztere jedoch am liebsten 
e, n durch Glühen von oxalsaurem Eisenoxydul 
mhaltenes, sehr zartes E. Ein aus gefälltem 
Eisenhydroxyd hergestelltes E. wurde früher 
a ' s Crocus martis aperitivus oder Ferrum 
°xydatum fuscuin medizinisch verordnet, wäh- 
’ k e nd das jetzige Ferrum oxyd. fuscum, ein 
otaunes unlösliches Pulver, aus Eisenoxyd- 
hydrat, Eisenhydroxyd {'at. Ferrum hydri 
cu m, frz. Oxyde ferrique hydratö, engl. Hydrated 
Poroxyde of iron) besteht. Eine in Wasser lös- 
hohe Modifikation desselben, das dialysierte E 
dat. Ferrum oxydatum dialysatum), eine dunkel 
Pjaungelbe Flüssigkeit von nur sehr schwachem 
Eisengeschmack, wird als leicht assimilierbares 
Eisenpräparat medizinisch verwandt. Eisen 
ocker, Eisensaccharat (lat. Ferrum oxy 
datum saccharatum solubile, frz. Oxyde ferrique 
?ucre soluble, engl. Saccharated peroxyde of 
Eon), besteht aus Zucker und Eisenoxydhydrat. 
Eis Ferrum oxydulatum nigrum oder Äthi- 
?Ps martialis (Eisenmoor) wurde früher auch 
-'senoxyduloxyd, ein feines, schwarzes Pul- 
Ver . medizinisch benutzt. 
Eisenpulver. In der Medizin wie im chemi 
schen Laboratorium finden zwei Arten des fein 
verteilten metallischen Eisens Verwendung. 
1. Feingepulvertes Schmiedeeisen (lat. 
Ferrum puiveratum, F. limatum seu Limatura 
ferri, frz. Fer pulverist;, engl. Iron powdered) 
ist ein äußerst feines, schweres, graues Pulver 
von metallischem Glanz, das in gut verschlosse 
nen Flaschen aufbewahrt werden muß. Es soll 
frei von Rost sein, sich in verdünnter Salzsäure 
vollständig lösen und dabei nur Wasserstoffgas, 
nicht aber Schwefelwasserstoffgas entwickeln. 
Spuren des letzteren Gases fehlen jedoch fast 
nie. Das Präparat wird, besonders in Tirol, 
durch Zerstoßen des Schmiedeeisens und Reiben 
unter Druck hergestellt. 2. Durch Wasserstoffgas 
reduziertes Eisen (lat. Ferrum hydrogenio re- 
ductum, F. reductum, frz, Fer röduit par l’hydro- 
göne, engl. Reducfed iron) ist ein graues, glanz 
loses Pulver, das aus reinem Eisenoxyd her 
gestellt wird, Falls man zur Gewinnung des 
Eisenoxydes Eisensulfat benutzt, enthält das 
Endprodukt gewöhnlich noch Schwefel. Frei 
von Schwefel läßt es sich nur gewinnen, wenn 
Eisenchlorid als Ausgangsmaterial diente. Das 
reduzierte Eisen enthält in der Regel noch Eisen 
oxyduloxyd, das bei höherem Gehalte eine 
schwarze Färbung hervorruft, und soll sich in 
Bromwasser vollständig lösen. Für medizinische 
Zwecke müssen die E. frei von Schwefel sein, 
weil sie sonst im Magen Schwefelwasserstoffgas 
entwickeln. Das Ferrum reductum ist ein gut 
verdauliches Eisenpräparat. Im Laboratorium 
dient E. als starkes Reduktionsmittel. 
Eisensalmiak (Ammoniumeisenchlorid, lat. 
Ammonium chloratum ferratum, frz. Muriate de 
fer ammoniacal, engl. Ammoniachloride of iron), 
ein morgenrotfarbiges, in Wasser leicht lösliches 
Kristallpulver, besteht aus Eisenchlorid und Sal 
miak und wird gegen Bleichsucht, Rhachitis und 
Epilepsie medizinisch angewandt. 
Eisehschwärze, eine zum Schwarzfärben be 
nutzte Mischung von Eisenvitriol und Blauholz 
extrakt mit Galläpfeln. Bisweilen wird auch eine 
aus holzessigsaurem Eisen bestehende Beize so 
genannt. 
Eisenschwarz nennt man ein als Ofenschwärze 
benutztes Graphitpulver. 
Eisensulfid (Schwefeleisen, lat. Ferrum sul- 
furatum, frz. Sulfure de fer, engl. Sulfuret of 
iron). Eisen und Schwefel lassen sich zu ver 
schiedenen chemischen Verbindungen vereinen, 
von denen einige als Mineralien in der Natur 
fertig gebildet Vorkommen. Im Handel findet 
man von den künstlich darstellbaren nur das 
Einfachschwefeleisen, Fe 2 S (Eisenmono 
sulfid, Ferrosulfid), das durch Erhitzen von 
3 Teilen Eisenfeile mit 2 Teilen Schwefel im 
bedeckten Tiegel als eine dunkelbronzefarbene 
bis grauschwarze, schwach metallglänzende Masse 
erhalten wird und zur Darstellung von Schwefel 
wasserstoff in großen Mengen Anwendung findet. 
Zweifach-Schwefeleisen, vgl. Schwefelkies. 
Eisenvitriol (Schwefelsaures Eisenoxy 
dul, Eisenoxydulsulfat, Ferrosulfat, Grü 
ner Vitriol, lat. Ferrum sulfuricum, Vitriolum 
martis, frz. Sulfate ferreux, Vitriol vert, engl. Vi 
triol of iron, Green vitrioI, Ferrous sulphate) 
findet sich fertig gebildet in der Natur nur dort,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.