Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Fleisch

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Fliegenpapier

zurücktretendem  Natron.  Zahlen  für  die  mittlere
Zusammensetzung  des  F.  lassen  sich  im  Hinblick ­
  auf  den  schwankenden  Fettgehalt  nicht
geben.  Die  folgenden  Werte  mögen  daher  nur
als  ungefährer  Anhalt  dienen:  Rindfleisch,
mittelfett:  730/0  Wasser,  21  0/0  Stickstoffsubstanz, ­
  50/0  Fett,  1  0/0  Mineralstoffe.  —  Das  F.:
bildet  im  frischen  Zustande  eins  der  wertvollsten ­
  Nahrungsmittel,  und  der  Handel  mit
ihm  unterliegt  daher  einer  besonders  sorgfältigen ­
  Überwachung.  Durch  das  Gesetz  betr.  die
Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau  vom  3.  Juni
1900  ist  der  Verkehr  mit  F.  bis  ins  kleinste  geregelt ­
  und  besonders  zum  Schutze  der  Bevölkerung ­
  gegen  das  F.  krepierter,  vergifteter,  kranker ­
  Tiere,  Parasiten  wie  Trichinen  und  Finnen
eine  amtliche  Untersuchung  vorgeschrieben.  Die
Einfuhr  von  frischem  F.  ist  nur  in  ganzen  Tierkörpern ­
  oder  bei  Rindvieh  und  Schweinen  in  Hälften ­
  gestattet,  wenn  Brust-  und  Bauchfell,  Lunge,
Herz,  Nieren  und  gegebenenfalls  Euter  noch
in  natürlichem  Zusammenhänge  vorhanden  sind.
Die  Verwendung  von  Borsäure,  Formaldehyd,
Alkali-  und  Erdalkalihydroxyden  und  -karbonaten,
  schwefliger  Säure,  Fluorwasserstoffsäure,
Salizylsäure  und  chlorsauren  Salzen  sowie  von
Farbstoffen  ist  verboten.  Von  Verfälschungen
des  frischen  Fleisches  ist  nur  die  bisweilen  geübte ­
  künstliche  Färbung  des  gehackten  Rindfleisches ­
  zu  erwähnen,  durch  welche  diesem
längere  Zeit  der  täuschende  Anschein  einer
frischen  Beschaffenheit  verliehen  werden  soll.
Tatsächlich  läßt  sich  das  F.  wirklich  frisch  nur
auf  eine  Weise  erhalten,  indem  man  es  in  Eiskellern ­
  stark  abkühlt  und  hierdurch  eine  Entwicklung ­
  der  Mikroorganismen  und  somit  Fäulnis ­
  verhindert.  —  Im  übrigen  muß  man,  um  das
Verderben  des  F.  zu  verhindern,  Konservierungsverfahren ­
  anwenden.  Die  ältesten  und  verbreitetsten ­
  sind  das  Pökeln  und  das  Räuchern.  Zu
dem  ersteren  wird  das  F.  mit  Kochsalz  unter
Zusatz  von  etwas  Salpeter  eingerieben  oder
dicht  bestreut.  Das  Salz  dringt  tief  in  das  Innere
ein,  während  Fleischsaft  austritt.  Mit  dem  Pökeln
ist  alsö  ein  Gewichtsverlust  und  eine  Abnahme
des  Nährstoffgehaltes  verbunden,  noch  mehr
mit  dem  Einlegen  in  Salzlake.  Das  Pökelfleisch
zeigt  eine  sehr  gute  Haltbarkeit,  besitzt  aber
einen  eigenartigen,  für  längere  Zeit  unerträglichen ­
  Geschmack  und  ruft  bei  ausschließlichem
Genüsse  den  Skorbut  hervor.  Das  Räuchern
des  F.  beruht  darauf,  daß  durch  die  erhöhte
Wärme  einte  Austrocknung  stattfindet  und  daß
mehrere  Bestandteile  des  Holzrauches,  wie  Holzessig, ­
  Phenole  und  Kreosot  direkte  Bakteriengifte ­
  sind.  Ein  ungenügender  Ersatz  dieses  Konservierungsverfahrens ­
  ist  die  sog.  Schnellräucherung, ­
  bei  welcher  man  das  mit  Holzessig  bestrichene ­
  F.  an  der  Luft  trocknen  läßt.  Durch
einfaches  Trocknen  des  in  Streifen  geschnittenen ­
  F.  an  der  Sonne  oder  am  Feuer  wird  besonders ­
  in  Südamerika  das  sog,  Charque  und
ein  Fleischpulver  P  e  in  m  i  k  a  n  hergestellt.  Schließlich ­
  ist  noch  das  Überziehen  von  F.  mit  Fett,
Zucker,  Gummi  und  anderen,  die  Luft  abschließenden ­
  Substanzen  sowie  das  Sterilisieren
in  Blechbüchsen  nach  dem  Verfahren  von  Appert
  zu  erwähnen.  Derartiges  Büchsenfleisch,
welches  für  die  Armeeversorgung  eine  große

tBedeutung  hat,  wird  in  vorzüglicher  Beschaffenheit ­
  von  Naumann  in  Dresden  dargestellt.  Die
zu  den  Flcischkonserven  gehörende  Wurst  ist
in  einem  besonderen  Artikel  besprochen.  —  Die
für  die  Einfuhr  frischen  F.  geltenden  gesetzlichen ­
  Bestimmungen  sind  bereits  angeführt
worden.  Die  Einfuhr  von  F.  in  luftdicht  verschlossenen ­
  Büchsen,  von  Würsten  und  sonstigen
Gemengen  aus  zerkleinertem  F.  ist  verboten.
Fhischextrakt  ist  im  Grunde  nichts  anderes,
als  eine  eingedickte  Fleischbrühe.  Es  wurde
nach  dem  von  Justus  v.  Liebig  vorgeschriebenen ­
  Verfahren  zuerst  in  Fray  Bentos  in  Uruguay ­
  hergestellt,  um  hier  den  ungeheuren  Reichtum ­
  der  südamerikanischen  Ebenen  an  Rindern,
die  bis  dahin  nur  wegen  ihrer  Häute  geschlachtet
worden  waren,  besser  auszunutzen.  Die  Herstellung ­
  besteht,  von  Einzelheiten  abgesehen,
darin,  daß  man  das  reine,  von  Fett,  Sehnen  und
Häuten  befreite  Fleisch  fein  hackt,  darauf  mit
der  gleichen  Menge  kaltem  Wasser  ansetzt  und
schließlich  bis  auf  75—8o°  erhitzt.  Hierbeigehen
hauptsächlich  die  Fleischbasen,  die  Salze  und
das  Albumin  in  Lösung,  das  letztere  gerinnt
aber  beim  Kochen  und  wird  abfiltriert.  Die
durch  Eindampfen  im  Vakuum  bis  zur  Extraktkonsistenz ­
  erhaltene  Substanz  ist  also  im  •wesentlichen ­
  als  ein  Gemenge  der  Fleischbasen,
Kreatin,  Kreatinin,  Sarkin,  Xanthin,  Karnin  und
Karnosin  mit  Jnosinsäure,  Fleischm.lchsäure  und
Mineralstoffen  anzusprechen.  Der  Gehalt  an
Wasser  beträgt  ungefähr  18  0/0,  der  Aschengehalt
21  0/0,  der  Rest  besteht  aus  Stickstoffverbindungen.
  Bei  dem  völligen  Fehlen  von  Fett  und  Eiweiß ­
  ist  der  Nährwert  des  F.  nahezu  gleich  Null
zu  setzen.  Es  übt  aber  eine  außerordentlich  anregende ­
  Wirkung  auf  den  Organismus  aus  und
ist  daher  als  ein  Genußmittel  von  hervorragender ­
  Bedeutung  anzusprechen.  Die  übrigen  in
den  Handel  gebrachten  F.  von  Kemmerich
und  Buschenthal  zeigen  keine  wesentlichen
Verschiedenheiten.  Der  sog.  flüssige  Fleischextrakt ­
  von  Cibil  enthält  65—660/0  Wasser
und  erhebliche  Mengen  Kochsalz.  Verfälschungen ­
  von  F.  sind  nicht  beobachtet  worden.  F.
dient  zur  Herstellung  von  Fleischbrühe  (Bouillontafeln) ­
  und  als  Zusatz  zu  Speisen  sowie  als
Anregungs-  und  Kräftigungsmittel.  Die  zahlreichen ­
  während  des  Krieges  aufgetauchten  Ersatzmittel ­
  sind  zum  größten  Teile  durch  Behandlung ­
  (Hydrolyse)  von  eiweißhaltigen  Rohstoffen ­
  mit  Salzsäure  und  folgende  Neutralisationen ­
  mit  Natriumkarbonat  hergestellt  worden
und  enthalten  daher  neben  erheblichen  Mengen
Kochsalz  als  charakteristische  Bestandteile  Abbauprodukte ­
  des  Eiweißes,  besonders  Aminosäuren, ­
  die  ihnen  einen  fleischextraktähnlichen
Geschmack  verleihen.  Als  Ausgangsmaterialieh
kommen  besonders  Hefe,  Knochen,  Magermilch ­
  oder  Molken  in  Betracht.
FIDgenpapier  (lat.  Charta  muscarum,  frz.  Papier ­
  1  ue-mouches,  engl.  Fly-Paper),  Unter  dieser ­
  Bezeichnung  kommen  Löschpapiere  in  den
Handel,  die  mit  verschiedenen  Stoffen  getränkt
sind  und  nach  erfolgter  Anfeuchtung  den  Fliegen
tödlich  werden.  Das  mit  Kalium  arsenicicum
unter  Zusatz  von  Quassienhoizabkochung  getränkte ­
  giftige  F.  darf  nur  von  Apothekern  und
denjenigen  Drogisten.  verkauft  werden,  welche
            
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