Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Girofle

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Glas

snasse  für  Papier  oder  zur  Herstellung  weißer
Glanzpapiere  verwandt.  Den  gebrannten  G.  benutzt ­
  man  zu  Gipsgußarbeiten,  namentlich:  Gipsfiguren, ­
  Stukkaturarbeiten,  Gipshoblformen,  ferner ­
  zu  chirurgischen  Zwecken  {Gipsverband),  zu
Estrich,  zum  Stereotypieren  usw.;  den  totgebrannten ­
  zu  gewissen  Glasurmassen.
Giroflö  (Methylenviolett),  ein  Safraninfarbstoff, ­
  wird  durch  Einwirkung  von  salzsaurem
Nitrosodimethylanilin  auf  ein  Gemenge  von  salzsaurem
  Metaxylidin  und  Paraxylidin  erhalten.
Das  braune,  in  Wasser  mit  roter  Farbe  lösliche
Pulver  wird  im  Kattundruck  zum  Tönen  von
Alizarinviolettdruckfarben  benutzt  und  färbt  gebeizte ­
  Baumwolle  rotviolett.
Glas  (lat.  Vitrum,  frz.  Verre,  engl.  Glass)  ist  ein
amorphes  Gemenge  verschiedener  Silikate,  besonders ­
  des  Kalzium-,  Kalium-  und  Natrium-  sowie
des  Bleisilikats.  Vom  chemischen  Standpunkte
aus  unterscheidet  man  zwischen  Kalium  Kalzium
glas,  Natrium-Kalziumglas.  Kalium-Bleiglas  und
Aluminium-Kalzium-Alkaliglas.  Das  Kalium-Kalziumglas ­
  liefert  das  böhmische  Glas,  das
vollständig  farblos  ist  und  sich  durch  Schwerschmelzbarkeit ­
  sowie  durch  Härte  und  Widerstandsfähigkeit ­
  auszeichnet.  Das  Natrium-Kalziumglas ­
  ist  bläulich,  leichter  schmelzbar,  aber
härter  ;ils  das  vorige  und  wird  als  französisches ­
  Glas  bezeichnet.  Aus  ihm  werden  die
gewöhnlichen  Trinkgefäße,  das  Fensterglas,  die
chemischen  Glasgeräte  sowie  das  zu  optischen
Zwecken  benutzte  Crownglas  bereitet.  Das
Kalium-Bleiglas,  zu  dem  das  Flintglas  und  der
Strass  gehören,  zeichnet  sich  durch  hohes  spez,
Gew.  und  starke  Lichtbrechung  aus.  Das  .  Alußv.nium-Kalzium-Alkaliglns
  endlichbezeichnetman,
da  es  meistens  zur  Herstellung  von  Flaschen
dient,  als  Bouteiüenglas.  Es  enthält  fast  stets
Elsensilikate  und  ist  deshalb  gelblich  oder  grünlich ­
  gefärbt.  —  Als  Rohmaterialien  zur  Glashereltung
  dienen  hauptsächlich  Kieselsäure,
Kalk,  Natron,  Kali  und  Blei.  Die  Kieselsäure
"drd  in  Form  von  Sand,  Feuerstein  oder  Quarzstücken ­
  verwandt,  der  Kalk  entweder  als  Kalkspat. ­
  Marmor  und  Kreide  (weißes  G.)  oder  von
Mergel  und  Kalkaschen  ^grünes  G.),  das  Natron
"i  Gestalt  von  Glaubersalz  oder  Soda,  das  Kali
als  gereinigte  oder  robe  Pottasche,  und  das  Blei
als  Mennige  oder  Glätte.  Die  färbende  Eigenschaft ­
  verschiedener  Metalloxyde,  wie  Eisenoxyd,
Kobaltoxyd,  Kupferoxyd,  wird  bei  der  Erzeugung
farbiger  Gläser  verwertet.  Um  aus  gewöhnlichem ­
  G.,  das  infolge  seines  Eisengehaltes  fast
'trimer  grünlich  oder  gelblich  erscheint,  weißes
G.  zu  gewinnen,  entfärbt  man  es  durch  Mangan-Superoxyd
  oder  durch  Mennige,  arsenige  Säure,
Selen  und  Salpeter.  Ein  wichtiges  Material  zur
Glasbereitung  bietet  schließlich  auch  der  aus
Glasscherben  der  verschiedensten  Herkunft  begehende ­
  Glasbruch.  Zur  Herstellung  des  G.
"drd  der  Satz,  die  je  nach  der  Glassorte  zusammengestellte ­
  Mischung,  gemahlen  und  in
feuerfesten  Tiegeln  (Glasbäfen)  in  Schmelzöfen
fGlasöfen)  geschmolzen.  Die  sich  dabei  auf  der
Dberfläche  ansammclnde  Glasgalle,  die  aus
dünnflüssigen,  durch  die  Kieselsäure  nicht  ge
Mtcdenen  Salzen  besteht  und  nebst  den  Blasen,
Knoten,  Steinen  und  Streifen  die  sog.  Fehler
“ es  G.  bildet,  muß  entfernt  werden.  Infolge

ihrer  Zähigkeit  eignet  sich  die  flüssige  Masse
nicht  zum  eigentlichen  Gießen  in  Formen,  vielmehr ­
  ist  alles  sog.  gegossene  G.  in  Formen
gepreßt,  und  selbst  die  Spiegeltafeln  verdanken
hre  Flächen  nicht  ausschließlich  dem  Guß,  sondern ­
  nebenbei  der  Preßwalze.  Die  meisten  Glaswaren ­
  werden  daher  geblasen,  und  zwar  nicht
nur  die  eigentlichen  Hohlglaswären,  sondern
auch  das  Fensterglas  und  die  Gläser  zu  den  billigeren ­
  Spiegeln.  Durch  geschicktes  Hantieren  mit
der  aufgeblasenen  Masse,  Schwenken,  Drehen,
Rollen.  Stauchen  und  mit  Anwendung  sehr  einfacher ­
  Werkzeuge,  wie  Blaserohr  (Pfeife),  Stäben, ­
  Scheren  und  Stangen  formt  der  Glasarbeiter,
indem  er,  so  oft  als  nötig,  die  erstarrende  Masse
am  Feuer.wieder  erweicht,  aus  einem  Klumpen
Glasmasse  die  verschiedensten  Gegenstände.
Durch  mechanische,  mit  Preßluft  arbeitende  Vorrichtungen ­
  nach  Sie  wert  u.  a.  ist  die  Handarbeit
vielfach  erleichtert  und  zum  Teil  verdrängt  worden. ­
  Flaschenblaseinaschinen  nach  Owens  u.  a.
stellen  Gegenstände  aus  Hohlglas  in  ungeheurer
Menge  völlig  automatisch  her.  Das  Fensteroder ­
  Tafelglas  wird  entweder  als  Mondglas
oder  als  Walzenglas  hergestellt.  Ersteres  erhält ­
  man  durch  Blasen  einer  großen,  hohlen  Kugel, ­
  die  durch  Abziehen  von  der  Pfeife  geöffnet
und  nun  so  lange  in  Drehung  versetzt  wird,  bis
sie  sicli  in  eine  Scheibe  von  1,5  m  Durchmesser
umgewandelt  hat.  Nach  dem  Erkalten  wird  sie
in  mondförmige  Stücke  zerschnitten,  während
das  ,  Mittelstück  (Ochsenauge)  zu  Butzenscheiben
Verwendung  findet.  Zur  Gewinnung  des  Walzenglases ­
  wird  vor  der  Pfeife  ein  größerer  Zylinder
geblasen  und  dieser  nach  dem  Durchschneiden
auf  einer  im  Streckofen  befindlichen  Platte  mittels ­
  besonderer  Polierhölzer  geglättet.  Das
Spiegelglas  entsteht  meist  durch  Gießen  und
Walzen  sowie  durch  nachheriges  Schleifen  und
Polieren.  Die  gewölbten  oder  parabolischen
Fensterscheiben  erhält  man  aus  ebenen  Tafeln
dadurch,  daß  man  sie  auf  gewölbten  gußeisernen
Platten  im  Glühofen  erweichen  läßt,  bis  sie  sich
auf  der  Unterlage  überall  angelegt  haben.  In
ähnlicher  Weise  werden  die  Uhrgläser  aus  dem
Rohen  gebildet.  Das  sog.  Musselin-  oder  Jalousieglas, ­
  das  durch  weiße  Verzierung  teilweise ­
  undurchsichtig  gemacht  ist,  wird  entweder
durch  Ätzen  mit  Flußsäure  oder  durch  Einbrennen
eines  aus  Knochenasche  und  leicht  flüssigem  G.
bestehenden  Musters  hergestellt.  Gegossenes,
Voh  gelassenes  Tafelglas  wird  gegenwärtig  vielfach ­
  zu  Bedachungszwecken  für  Lichthöfe,  Eisenbahnhallen
  und  Gewächshäuser,  starkes  Tafelglas, ­
  meistens  das  sog.  rheinische  Doppelglas,
zu  photographischen  Platten  benutzt.  Die  ge
staltenreichste  Gruppe  der  Glaswaren  bildet  das
Hohlglas,  das  alle  gefäßartigen  Glaskörper,
Zylinder,  Flaschen  usw.  umfaßt  und  in  Grünhohlglas, ­
  ordinäres  Weißglas  und  Kristallglas ­
  unterschieden  wird.  Das  Haupterzeugnis ­
  bilden  Flaschen,  von  den  rein  weißen
Medizinflaschen  bis  zu  den  dunkelgrünen  Bierund
  Champagnerflaschen  und  den  mächtigen,
zur  Aufnahme  von  Säuren,  Petroleum,  Ölen  usw.
bestimmten  Ballonen.  ,  Alle  diese  Hohlkörper
werden  geblasen,  sei  es  aus  freier  Hand  oder
mit  Benutzung  von  Hohlformen,  in  deren  Innern
das  Auf  blasen  der  Glasmasse  erfolgt.  Die  An-
            
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