Karborundum
Kardobenediktenkraut
200
werden. — In den Preislisten der Drogisten
finden sich folgende Sorten: Acidum carbolicum
crystall. (Schmelzpunkt 35—37 °); A. c. cryst.
(Schmelzpunkt 40—41 °, Phenolum absolutum);
A. c. purum redestillatum (Schmelzpunkt 40 bis
42 0 , D.A.B.); A. c. syntheticum (40—42 0 ); A.c.
liquefactum und A. c. crudum 95/1000/0, 50/600/0,
25/300/0. Die K. findet ausgedehnte Verwendung
als Antiseptikum, und zwar in 3 prozent. wäßriger
Lösung (Karbolwasser, Aqua carbolisata)
als Verbandwasser; in 5prozent.Lösung
zur Desinfektion der Hände und Instrumente.
Die Technik benutzt die rohe K. zur Konservierung
von Holz und zum Desinfizieren von Ställen,
die reine K. bei der Fabrikation der Darmsaiten
und des Leims, zur Darstellung der Salizylsäure,
Pikrinsäure und zahlreicher Farbstoffe.
Die Aufbewahrung erfolgt in Flaschen vor Licht
geschützt, der Versand der rohen K. in Fässern,
der reinen Verbindung in Blechkanistern oder
dunklen Glasstöpselflaschen.
Karborundum, Siliziumkarbid, entsteht
beim Glühen von Kohle, Sand und Kochsalz im
elektrischen Widerstandsofen als ein diamantglänzendes
Kristallpulver, das wegen seiner
außerordentlichen Härte als Ersatz des Schmirgels
und des Diamantstaubes zum Schleifen von
Diamanten benutzt wird. Mit Bindemitteln läßt
es sich zu Rädchen und Stiften formen, die als
Ersatz von Glaserdiamanten und Schmirgelrädchen
dienen.
Kardamomen (lat. Fructus cardamomi, frz.
Cardamome, engl. Cardamora seeds) sind die
Früchte resp. Samen einer ausdauernden krautartigen
Zingiberazee, Elettaria cardamomum
minor, die in den Bergwäldern der südlichen
Malabärküste heimisch ist, aber auch kultiviert
und verwildert in Zeylon, Vorder- und
Hinterindien, Westafrika und Madagaskar vorkommt,
Die hellbräunlichen oder, in gebleichtem
Zustande, gelblichweißen, dreiseitig abgerundeten,
dicht längsstreifigen Kapseln von 8—20 mm
Länge enthalten 9—18 unregelmäßig vierkantige,
quer gerunzelte, graurötliche oder rötlichbraune,
etwa 3 mm fange Samen, die allein zur
Verwendung gelangen. Daß nur die Früchte
offizineil sind, erklärt sich daraus, daß sie leichter
von geringwertigen Sorten unterschieden
werden können. Neben diesen echten, auch
kleine oder Malabar-K. genannten, werden
auch die Früchte einiger verwandter Pflanzen
als K. bezeichnet. Lange oder wilde Zeylon-K.,
von der in Zeylon und Koromandel kultivierten
Elettaria major, haben größere, 3 bis
4 cm lange, bis 1 cm breite, etwas gebogene
und stark längsfurchige Kapseln von bräunlichgrauer
Farbe. Die kleinen, weit härteren Samen
liegen zu zwei Reihen in jedem der drei Fächer
und haben einen scharfen, wenig angenehmen
Geschmack. Runde oder Siam-K. (lat. Cardamomum
rotundum, frz. Amome en grappe,
engl. Camphor seeds), vonAmomurn cardamomum,
in Südchina, Hinterindien, Sumatra,
Java und Zeylon kultiviert, enthalten in blaßbraunen,
8—15 mm langen, nicht gestreiften Kapseln
violettbraune Samen von scharfem, kampferartigem
Geschmack. Geringere Bedeutung haben
wilde oder Bastard-K. von Amomum xanthioides
aus Südchina und Hinterindien
mit stachligen, rotbraunen Früchten, Java-K-(Nepal-K.)
von Am. maximum mit 3—4 cm
langen, bis 2 cm breiten, dunklen Früchten und
dunkelbraunen, angenehm schmeckenden Samen;
Chinesische runde K. von Am. globosum
mit kugligovalen, gebuckelten, bis 4 cm
langen Früchten und schwach aromatischen Samen
sowie die afrikanischen Sorten Kovarima-K.
oder Abessinische K., von Am. clusii,
feigengroße Früchte von graubrauner Farbe,
Kamerun-K., von Am. angustifolium,
und Guinea-K,, Guineapfeffer, s. d., Meleguetapfeffer
(s.Paradieskörner). Für den europäischen
Handel kommen nur die beiden ersten
Sorten, in untergeordnetem Maße neuerdings
auch die Kamerun-K.'in Betracht. Die K. werden
hauptsächlich als Gewürz für Speisen und
Backwerk (Nürnberger Lebkuchen), in Pulverform
und als Zusatz zu Tinkturen auch medizinisch
gebraucht. Ihre reizende, magenstärkende,
in größeren Mengen auch erhitzende
Wirkung beruht auf dem Gehalte an ätherischem
Öl (4—80/0). Daneben sind noch io«/o fettes öl,
Harz und stark manganhaltige Mineralstoffe
vorhanden.
Kardamomenöl (lat. Oleum cardamomi, frz.
Essence de cardamome, engl. Cardamom oil), das
durch Destillation mit Dampf gewonnene ätherische
Öl der Zeylon-Malabar-Kardamomen, ist
dünnflüssig, blaßgelb, vom spez. Gew. 0,923 bis
0,944 und sehr aromatischem Geruch. Es wird
in der Likörfabrikation verwandt.
Karden (Weberkarden, Kardendisteln,
Tuchkarden, frz. Chardons ä carder, engl-Teasels),
die getrockneten stacheligen Blütenköpfe
von Dipsacus fullonum, einer im südlichen
Europa heimischen, in Deutschland und
England aber auch angebauten Pflanze, werden
in der Tuchfabrikation zum Rauhen und Auflockern
des gewalkten Tuches verwandt. Die
K. haben ungefähr die Größe und Gestalt eines
Plühnereies und sind ganz mit harten, in gekrümmte
Borsten übergehenden Spreublättchen
besetzt, auf deren richtige Beschaffenheit beim
Einkauf Rücksicht zu nehmen ist. Sie müssen
nämlich weich, biegsam, elastisch und fein sein,
dabei aber so viel Festigkeit besitzen, daß sie
beim Gebrauch nicht abbrechen oder die Wolle
abreißen. Alte K. zieht man den frischen vor.
Die besten K. stammen aus der Gegend von
Avignon, Rouen, Sedan, italienische hauptsächlich
aus Bologna. Von den englischen werden
die aus der Grafschaft Essex, von den deutschen
die aus der Gegend von Magdeburg,
Halle, Erfurt, Bamberg usw. bevorzugt. Die Kwerden
zu je 25 Stück an den Stengeln zusammengebunden
und dann in Packen von
1000 Stück oder auch in leichte Fässer gepackt
in den Handel gebracht.
Kardin, ein neues Arzneimittel aus dem Herzfleische
des Rindes, welches als Herztonikum verordnet
wird.
Kardobenediktenkraut (Bitterdistel, Bernhardinerkraut.
Kratzkraut, lat. Herba cardui
benedicti, frz. Chardon bdnit, engl. Blessed
thistle), das getrocknete Kraut von Cnicus
bencdictus, einer Distelart, die im Orient und
Südeuropa wild wächst und. bei uns angebaut
wird. Die Pflanze, welche eine Höhe bis zu