Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Angelika  Wurzel

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Anilin

Gew.  von  0,905—0,908,  scheidet  bei  -f-  io°  C
Kristalle  aus  und  erstarrt  bei  o°  breiartig.  Dieses
Öl  fängt  bei  170 0  an  zu  sieden,  der  Siedepunkt
steigt  aber  beständig,  und  die  zuletzt  übergehenden ­
  Anteile  sind  von  blaugrüner  Farbe.  Der
Geruch  ist  schärfer  als  derjenige  des  deutschen
Öles  und  besitzt  gleichfalls  einen  Anklang  an
Moschus.
Augelikawurzel  (Engelwurzel,  Theriakwurzel,
  Brustwurzel,  lat.  Radix  angelicae,
frz.  Racine  d’angelique,  engl.  Angelica  root),  die
getrocknete  Wurzel  der  in  den  Bergwäldern
Mitteleuropas  wild  wachsenden,  aber  auch  vielfach ­
  angebauten  Doldenpflanze;  Angelica  Archangelica,
  besteht  aus  einem  mit  zahlreichen
dicken  und  langen  Fasern  umgebenen  Wurzelkopf ­
  von  brauner  Farbe  und  stark  aromatischem
Geruch  und  Geschmack.  Die  Wurzelfasern  werden ­
  gewöhnlich  zu  einem  zopfähnlichen  Bündel
zusammengedreht.  Auf  dem  Querschnitt  erkennt
man  in  der  weißlichen  Rinde  zahlreiche,  mit
einem  rötlichgelben  Balsam  gefüllte  kleine  Behälter. ­
  Die  Wurzel  von  angebauten  Pflanzen,
welche  man  im  Frühjahr  oder  im  Herbste  sammelt, ­
  wird  vorgezogen.  Als  beste  Sorte  gilt  die
sächsische  A.  aus  der  Gegend  von  Bockau
bei  Schwarzenberg,  doch  wird  sie  auch  in  Thüringen ­
  und  am  Harz,  namentlich  in  der  Gegend
von  Kölleda,  Jena,  Quedlinburg  und  Gernrode
viel  angebaut.  Verwechslungen  mit  den  Wurzeln ­
  von  Angelica  silvestris  kommen  kaum
noch  vor,  da  man  fast  ausschließlich  angebaute
Ware  kauft.  Auch  ist  der  Geruch  jener  Wurzel  von
dem  der  echten  ganz  verschieden  und  die  Farbe
mehr  grau  als  braun.  A.  wird  sehr  leicht  von
Würmern  zerfressen  und  muß  daher  gut  verschlossen ­
  in  Blechgefäßen  aufbewahrt  werden.
Als  wichtige  Bestandteile  enthält  sie  äther.  Öl,
Harz,  Angelikasäure,  Hydrokarotin  bzw.  Phytosterin, ­
  Baldrian-  und  Essigsäure.  Sie  findet
als  magenstärkendes  Mittel  (Kneipps  Heilmittel)
sowie  in  den  Likörfabriken  zur  Herstellung
von  Chartreuse  u.  a.  ausgedehnte  Anwendung.
In  neuerer  Zeit  kommen  auch  zwei  Arten  von
A.  aus  Japan  in  den  Handel.  Die  eine,  Senkiyn
  genannte,  stammt  von  Angelica  refracta,-die
  andere,  Biyakushi,  von  Angelica ­
  anomala.  Diese  Wurzeln  liefern  jedoch  nur
V lo °/o  ätherisches  Öl  von  abweichendem  Geruch ­
  (s.  Angelikaöl).
Ang-Khak,  ein  roter  Farbstoff,  der  in  China
durch  Aussaat  eines  Pilzes  auf  gekochten  Reis
erzeugt  und  zur  Färbung  von  Nahrungsmitteln
benutzt  wird.
Anglesit  (Vitriolbleierz,  Bleiglaserz,
Bleivitriol,  frz.  Anglesite,  Plomp  Sulfate,  engl.
Lead  vitriol),  ein  aus  Bleisulfat  bestehendes,
sehr  schweres,  kristallinisches  Bleierz  von  weißer, ­
  grauer  oder  gelblicher  Farbe,  wird,  wenn
es  in  größeren  Mengen  gefunden  wird,  auf  Blei
verarbeitet.
Angolaerbsen.  Diesen  Namen  führen  die  Samen ­
  zweier  verschiedener  Pflanzen,  die  jedoch
mit  unseren  Erbsen  nicht  verwandt  sind.  i.  Die
Samen  von  Voandzeia  subterranea,  einer
zu  den  Zäsalpineen  gehörigen,  der  Arachis  (Erdnuß) ­
  sehr  nahe  stehenden  Pflanze,  welche  in
Südamerika  heimisch  ist,  aber  auch  in  anderen
Tropenländern,  so  besonders  in  Südafrika  und

in  Java  (hier  Katjang  manila  genannt),  angebaut
  wird,  sind  sehr  fettreich  und  werden  als  1
Nahrungsmittel  verbraucht.  —  2.  Die  Samen  des
indischen  Bohnenbaums,  Cajanus  indicus,dcr  j
in  Ostindien  heimisch,  vielfach  in  Südamerika
kultiviert  wird,  sind  weniger  schmackhaft  als
unsere  Erbsen.
Angolaflechte  (Roccclla  tinctoria)  dient  |
zur  Herstellung  der  Lackmustinktur,
Angolaholz.  Was  unter  diesem  Namen  zuweilen ­
  aus  Westafrika  in  den  Handel  kommt,
ist  nichts  weiter  als  Camwood,  s.  Kamholz.
Angosturabitter,  ein  Bitterlikör,  der  aus  einem
mit  Zucker  versüßten  alkoholischen  Auszuge
von  Angostura-  und  Chinarinde,  Enzian,  Pomeranzenschalen ­
  und  verschiedenen  Gewürzen  wie
Zimt,  Kardamomen  und  Nelken  besteht.
Angosturarinde  (lat.  Cortex  angosturae  verus,
frz.  Ecorce  d’Angosture,  engl.  Angosturabark),  \
nach  der  gleichnamigen  südamerikanischen  Stadt
benannteRinde  vonGalipea  officinalis,  wird
in  vereinzelten  Fällen  medizinisch  gegen  Dysenterie ­
  sowie  als  Ersatz  der  Chinarinde  angewandt, ­
  ruft  aber  in  großen  Gaben  Übelkeit  und  I
Erbrechen  hervor.  Meist  dient  die  Rinde  zur
Herstellung  des  Angosturabitters.  Zur  Vermeidung ­
  von  Verwechslungen  mit  der  falschen  A.
von  ostindischen  Strychnosarten,  welche  wegen
ihres  Bruzingehaltes  giftig  ist,  dient  die  Tatsache, ­
  daß  die  echte  A.  keinen  Gerbstoff  enthält, ­
  während  die  falsche  A.  gerbsäurehaltig  ist.  ;
Anhydride  nennt  man  durch  Abspaltung  von  j
Wasser  aus  Säuren  entstehende  Verbindungen
(Säureanhydride).  Ohne  weiteren  Zusatz  versteht ­
  man  darunter  in  der  Technik  das  A.  der
Schwefelsäure  (s.  d.).
Anhydrit  (Muriazit,  Würfelspat,  Würfel-  1
gips,  Karstenit),  ein  aus  wasserfreiem  schwefelsauren ­
  Kalk  (Kalziumsulfat)  bestehendes
Mineral,  findet  sich  fast  überall  als  regelmäßiger  j
Begleiter  der  Steinsalzlager.  (Vgl.  Gips.)
Anilin  (Phenylamin,  Amidobenzol,  Ky-  ]
anol,  Benzidam,  lat.  Anilinum,  frz.  und  engl.  I
Aniline)  ist  eines  der  wichtigsten  Erzeugnisse  I
der  chemischen  Großindustrie,  da  es,  obgleich  j
selbst  kein  Farbstoff,  das  Ausgangsmaterial  zahl-  I
reicher  sog.  Anilinfarben  darstellt.  Das  Anilin.  1
eine  stickstoffhaltige  organische  Base,  Amido-  I
benzol,  C 6 H 6 .NH 2 ,  findet  sich  in  geringer  1
Menge  fertig  gebildet  im  Steinkohlenteer,  wird
aber  fabrikmäßig  aus  dem  in  größeren  Mengen  im
Steinkohlenteer  enthaltenen  Kohlenwasserstoff  I
Benzol  dargestellt.  Zu  diesem  Zwecke  behandelt ­
  man  das  Rohbenzol,  welches  neben  Benzol  ;
noch  wechselnde  Mengen  Toluol,  Xylol  undKu-  J
mol  enthält,  mit  Saipeterschwefelsäure,  wäscht
das  entstandene  Nitrobenzol  mit  Lauge  und
Wasser  und  reduziert  es  darauf  mit  Salzsäure.  I
und  Eisen.  Nach  neueren,  anscheinend  noch
nicht  konkurrenzfähigen  Verfahren  bedient  man  |
sich  zur  Reduktion  eines  Gemisches  von  Na-  I
triumsulfid  mit  Schwefel  oder  der  Elektrolyse,  I
oder  leitet  Dämpfe  von  Nitrobenzol  mit  überschüssigem ­
  Wasserstoff  (Wassergas)  über  glühendes ­
  Kupfer,  wobei  ebenfalls  Amidobenzol  j
entsteht.  Aus  dem  hierbei  erhaltenen  salzsauren
Salze  setzt  man  durch  Zusatz  von  Kalk  die  j
Base  in  Freiheit  und  destilliert  sie  im  Wasser-  I
dampfstrom  ab.  Das  nach  dem  einen  oder  an-  j
            
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