III. Wirkung der Rationalisierung
auf die Wirtschaftsformen
und die soziale Struktur der Bevölkerung
Die Durchführung der Rationalisierung hat in allen Industrie⸗
staaten grundlegende Veränderungen in der wirtschaftlichen Struktur
hervorgerufen. Die Rationalisierung des Einkaufs, des Absatzes, die
Beschaffung von Kredit, die Kundenwerbung usw. geht heute meist
im Rahmen von Dachgesellschaften vor sich, die ein organisches Zu⸗
sammenwirken der Einzelbetriebe durch bestimmte Mittel zu erreichen
versuchen, wobei die Selbstaͤndigkeit dieser Betriebe meist völlig, jeden⸗
falls teilweise aufgehoben ist. Das gleiche gilt in noch stärkerem Maße
für die organisatorische Verbindung mehrerer Dachgesellschaften in der
Vertragsform der Kartelle oder auf dem Wege des vollständigen Zu⸗
sammenschlusses (der Fusionen, Konzerne, Trusts, Syndikate oder
aͤhnlicher Organisationsformen). Das Ziel der Konzentration ist vor
allem die Ausschaltung der weniger rationell arbeitenden Betriebe und
die quoten mäßige Verteilung der Produktion auf die übrigen Betriebe
entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit: die Durchführung also der
kommerziellen Rationalisierung.
Diese Konzentrationsbewegung hat in den letzten beiden Jahrzehn⸗
ten wie anderwaͤrts so auch in Deutschland zu einer erheblichen prozen⸗
tualen Verminderung der Zahl der selbständigen Betriebe geführt
und damit auch zu einer entsprechenden Abnahme der selbständig
Erwerbstätigen, — eine Entwicklung, die kulturpolitisch, sozialpolitisch
wie staatspolitisch ernsteste Beachtung verdient. Ein Vergleich der
Ergebnisse der deutschen Berufs⸗ und Betriebszählung des Jahres
1925 mit jener des Jahres 1907 zeigt, daß die Zahl der Selbständigen