Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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der Stimmungsmalerei bemerklich macht: und äußere Gestalt 
gewinnt in einer bald überladenen, bald mageren Sprache, in 
einer gewissen Disharmonie der Anordnung, in eitler Kramerei 
—D Sachlichem, in 
geschmackloser Verbindung von Extremen: kurz im Gegensatze zu 
aller Regel, im Anarchismus der Form. Dabei hat diese eigen⸗ 
artige Selbstbindung des souveränen Ichs verschiedene Phasen 
von stolzer Selbstüberhebung bis hin zum ergreifenden Gefühl 
der Verlassenheit durchlaufen können. Die erste Stufe der Ent— 
wicklung war dabei wohl allenthalben das, was ganz allgemein 
als notwendige Mitgift des schöpferischen romantischen Geistes 
gedacht wurde: göttliche Jronie. „Opfere den Grazien,“ ruft 
Schlegel aus, „heißt, wenn es einem Philosophen gesagt wird, 
so viel als: Schaffe dir Ironie und bilde dich zur Urbanität.“ 
Und das Wesen des poetischen Gefühls konnte vom Stand— 
—V 
sich selbst affizieren, über nichts in Affekt geraten und ohne 
Veranlassung phantasieren kann“. Aber gelang es stets, diese 
göttliche Jronie festzuhalten? Nur zu häufig, wenn nicht 
mmer wich sie dem Humor. Der Humor aber hat es schon 
mit Sein oder Nichtsein zu tun; „sein eigentliches Wesen ist 
Reflexion. Daher seine Verwandtschaft mit der Elegie und 
allem, was transzendental ist; daher auch sein Hochmut und 
sein Hang zur Mystik des Witzes.“ Wie aber, wenn auch der 
humor versagte? Dann wurde das Stadium des Welt— 
schmerzes erreicht. 
Aber dem Weltschmerze der deutschen Romantik wurde es 
anfangs nicht so leicht, sich mit Betrachtungen, wie sie Byron 
in berühmten Strophen niedergelegt hat, über den Schmerz 
selbst zu trösten, oder mit Leopardi bitter zu rufen: 
Eeil naufragar m'è dolce in questo mare. 
Erst in den Verfallszeiten unserer Romantik erwächst diese 
Lösung, und immer hat sie etwas Exotisches behalten. Das 
regelmäßige Ende auf deutschem Boden war, daß der phantastisch 
gewordene Subjektivismus in sein Gegenteil, in starke und 
stärkste Gebundenheit, umschlug. Die Betrachtung geschichtlich
	        
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