Die Frühromantik.
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der Stimmungsmalerei bemerklich macht: und äußere Gestalt
gewinnt in einer bald überladenen, bald mageren Sprache, in
einer gewissen Disharmonie der Anordnung, in eitler Kramerei
—D Sachlichem, in
geschmackloser Verbindung von Extremen: kurz im Gegensatze zu
aller Regel, im Anarchismus der Form. Dabei hat diese eigen⸗
artige Selbstbindung des souveränen Ichs verschiedene Phasen
von stolzer Selbstüberhebung bis hin zum ergreifenden Gefühl
der Verlassenheit durchlaufen können. Die erste Stufe der Ent—
wicklung war dabei wohl allenthalben das, was ganz allgemein
als notwendige Mitgift des schöpferischen romantischen Geistes
gedacht wurde: göttliche Jronie. „Opfere den Grazien,“ ruft
Schlegel aus, „heißt, wenn es einem Philosophen gesagt wird,
so viel als: Schaffe dir Ironie und bilde dich zur Urbanität.“
Und das Wesen des poetischen Gefühls konnte vom Stand—
—V
sich selbst affizieren, über nichts in Affekt geraten und ohne
Veranlassung phantasieren kann“. Aber gelang es stets, diese
göttliche Jronie festzuhalten? Nur zu häufig, wenn nicht
mmer wich sie dem Humor. Der Humor aber hat es schon
mit Sein oder Nichtsein zu tun; „sein eigentliches Wesen ist
Reflexion. Daher seine Verwandtschaft mit der Elegie und
allem, was transzendental ist; daher auch sein Hochmut und
sein Hang zur Mystik des Witzes.“ Wie aber, wenn auch der
humor versagte? Dann wurde das Stadium des Welt—
schmerzes erreicht.
Aber dem Weltschmerze der deutschen Romantik wurde es
anfangs nicht so leicht, sich mit Betrachtungen, wie sie Byron
in berühmten Strophen niedergelegt hat, über den Schmerz
selbst zu trösten, oder mit Leopardi bitter zu rufen:
Eeil naufragar m'è dolce in questo mare.
Erst in den Verfallszeiten unserer Romantik erwächst diese
Lösung, und immer hat sie etwas Exotisches behalten. Das
regelmäßige Ende auf deutschem Boden war, daß der phantastisch
gewordene Subjektivismus in sein Gegenteil, in starke und
stärkste Gebundenheit, umschlug. Die Betrachtung geschichtlich