Die Zementpreise während der Zeit der Kartelle.
59
Stande kommen, wenn die Geschäftslage bereits anfängt, sich zu
bessern. Diese Erscheinung ist daraus zu erklären, daß sich die
Produzenten in der schlechtesten Zeit zu wenig Nutzen von den
Kartellen versprechen und eine so große Produktionseinschrän
kung, wie sie nötig wäre, nicht auf sich nehmen wollen. Ein
Zementkartell kann nur von Nutzen sein, wenn auch die Nach
bargruppen organisiert sind, bis aber von so vielen Fabriken die
große Mehrzahl bereit ist, für die Einigung Opfer zu bringen,
müssen sie erst schwere Wunden empfangen haben; das gilt be
sonders von den Außenseitern, die die Krise verschuldet haben.
Es würde auch tatsächlich den Kartellen schwer fallen, bei so
anarchischen Zuständen, wie sie z. B. 1902 herrschten, etwas zu
erreichen; erst muß sich die Lage etwas geklärt haben. Wenn
der Absatz wieder zunimmt, dann sind die meisten geneigt, einen
Verband zu gründen, um dadurch die Besserung auch in den
Preisen auszunützen.
Schließlich ist noch zu erwähnen, daß Änderungen in der
Geschäftslage für gewöhnlich nicht sofort zum Ausdruck kommen.
Das liegt an der Art des Verkaufes. Schon im Herbst wird der
größte Teil der Produktion des nächsten Jahres verschlossen.
Wenn sich nun zu Anfang des Jahres die Preise heben, vielleicht
infolge einer Kartellgründung, so müssen zuerst noch die billigen
Vorverkäufe abgewickelt werden, so daß das Erträgnis dieses
Jahres noch nicht besonders günstig sein kann.
c) Die Zementpreise während der Zeit der
Kartelle.
Im letzten Kapitel haben wir gesehen, welch entscheidenden
Einfluß die Kartelle auf die wirtschaftliche Lage der deutschen
Zementindustrie gehabt haben. Der wichtigste Zweck einer
Vereinigung ist nun immer der, auf die Preisgestaltung günstig
einzuwirken, weshalb ihre Folgen sich naturgemäß vor allem in
den Preisen zeigen müssen. Leider stehen uns zur Beurteilung
dieser Wirkungen zum großen Teile nur Submissionspreise zur
Verfügung, die denen im gewöhnlichen Verkehre nicht ganz