Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

74  Die  deutsche  Portland-Zementindustrie  in  ihrem  Verhältnisse  zum  Auslande.
Ausfuhr  bestehen  besonders  billige  Frachtsätze,  und  auch  im
Inlande  wird  heimischer  Zement  billiger  befördert  als  fremder.
Infolge  der  hohen  österreichischen  Frachtsätze  haben  die  schlesischen ­
  Fabriken  auch  so  gut  wie  gar  keinen  Absatz  nach  Rumänien
und  Serbien;  in  ersterem  herrscht  englischer  und  französischer
Zement  vor;  der  zur  See  billig  hingebracht  werden  kann,  in
letzterem  österreichischer.  Auch  durch  Ausfuhrprämien  hat  das
österreichische  Syndikat  zeitweise  seine  Mitglieder  instand
gesetzt,  in  Deutschland  zu  außerordentlich  billigen  Preisen  zu
verkaufen.  In  der  Schweiz  machte  neben  der  einheimischen  die
französische  Industrie  der  süddeutschen  Konkurrenz.  Diese  war
also  schon  früher  als  die  Gruppen  im  übrigen  Deutschland  vom
Auslande  bedrängt  und  hier  war  die  Gefahr  der  Einfuhr  aus
dem  Auslande,  nämlich  aus  der  Schweiz  und  Tirol  in  der  Zeit
zu  Beginn  der  90  er  Jahre  am  größten.  Daher  ertönte  schon
damals  von  Süddeutschland  her  der  Ruf  nach  einem  deutschen
Zolle  auf  Zement,  der  jedoch  von  den  übrigen  deutschen  Fabrikanten ­
  nicht  befürwortet  wurde  mit  der  Begründung,  die  Einfuhr
sei  sehr  klein,  ein  deutscher  Zoll  könne  aber  leicht  eine  Erhöhung
der  ausländischen  zur  Folge  haben,  was  die  deutsche  Industrie
in  ihrer  Ausfuhr  schwer  schädigen  würde.  Während  der  90  er
Jahre  nahm  nun  die  Entwicklung  zu  Ungunsten  Deutschlands
ihren  Fortgang.  Die  Einfuhr  wuchs,  die  Ausfuhr  nahm  verhältnismäßig ­
  ab  und  das  Verhältnis  beider  wurde  immer  schlechter.
Die  stärkste  Gründungstätigkeit  wurde  ebenso  wie  bei  uns  auch
bei  unseren  Nachbarn  Ende  der  90  er  Jahre  entwickelt.  So
bestanden  in  Russisch-Polen  1895  nur  zwei,  1899  sieben  und
Ende  1900  bereits  elf  Werke 1 ,  die  nahe  an  der  Grenze  lagen
und  teilweise  von  dem  oberschlesischen  Industriebezirk  weniger
weit  entfernt  waren  als  die  schlesischen  Fabriken.  Die  österreichische ­
  Zementindustrie  wuchs  ebenfalls  mächtig  empor;  besonders
unangenehm  war  es  für  die  Schlesier,  daß  hart  an  der  deutschen
Grenze  von  deutschem  Kapitale  zwei  Zementfabriken,  die  eine

1  Mohr,  S.  1212.
            
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