II?
zur Rückzahlung der Gelder auf gef ordert. Obwohl selbst ver
mögend, konnte oder wollte er für des Bruders Schulden, den
sein „Uebelhausen und Prodigalität“ ins Verderben gebracht
hatte, nicht aufkommen. Als er seinen Verpflichtungen nicht
nachkam, reichten die Augsburger Bürger, die Geld zu fordern
hatten, Klage beim Rat ein. Aber dieser konnte nichts aus-
richten, da Paumgartner sich auf seinen Landgütern aufhielt
und sich hütete, in die Stadt zu kommen. Als er dann am
5. März 1565 doch die Stadt betrat, um der Hochzeit der
Sidonia Isabella Fugger beizuwohnen, wurde er auf Befehl des
Rates verhaftet 1 ). Zunächst hielt man ihn fünf Monate in
seinem eigenen Haus in der Annastrasse fest, dann wurde er
auf Drängen seiner Gläubiger am 21. August in strengere Haft
genommen und aufs Rathaus geführt 2 ). Seine Schulden beliefen
sich nur auf ca. 80 000 fl 3 ), er weigerte sich aber unter Berufung
auf seines Vaters Testament, seine Güter an Zahlungsstatt
zu geben, ganz im Gegensatz zu David, der einst ohne grosse
Bedenken seine Besitzungen verpfändet hatte. Fast fünf
Jahre lang wurde er in Schuldhaft gehalten, bis er schliesslich
sich mit seinen Gläubigern einigte. Seinem Hauptgläubiger
Sebastian Schertlin von Burtenbach fiel dabei das Paumgart-
nersche Stammhaus in der Annastrasse zu 4 ). Am 3. Mai 1570
konnte Hans Georg Paumgartner sein Gefängnis verlassen —
ein kranker, gebrochener Mann. In dem Haus eines befreun-
‘) Vgl. Gasser: Annales Augstburgenses bei M e n k e n , Script,
rer. germ. I Spalte 1907/08.
2 ) Paul Hektor M a i r in seinem Memorialbuch K fol. 246 a bis
247 b erzählt ausführlich von Johann Georgs Schuldhaft.
3 ) Diese Summe nennt Gasser a. a. O. Damit stimmt fast
überein eine Tabelle der Gläubiger im Geh. Staatsarchiv K blau 382/7,
wo die Schuldsumme mit 72 500 fl angegeben ist. Unter den genannten
Personen steht Sebastian Schertlin mit 10000 fl an der Spitze.
4 ) Vgl. Ottmar F. H. Schönhut: Leben und Thaten des weil,
wohledlen u. gestrengen Herrn Sebastian Schertlin durch ihn selbst
deutsch beschrieben. Münster 1858. S. 157: Doch als ich vertröst bin
worden, verhofft von Ferdinand zu Oesterreiche und den Furtenbach
Münsterhausen und Thainhausen ... zu kauffen, ist der kauff dissmal
hinter sich gangen . . . aber in Augspurg der Paumgartner behausung
umb 10 000 fl an ainer schuld angenomen. Schertlin baute das Haus
dann mit einem Aufwand von 5000 fl um. So wurde das Stammhaus
der Paumgartner in der Annastrasse das Sterbehaus Sebastian Schertlins,
woran eine jetzt dort angebrachte Gedenktafel erinnert.