Full text: Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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schon wissen, in verwandtschaftlichen Beziehungen, so dass 
also Franz kein völlig Fremder war, als er nach Augsburg kam, 
um sich hier eine neue Existenz zu gründen. 
Er schloss sich der Kaufmannszunft an 1 ) und trieb neben 
Warenhandel auch Geldgeschäfte. So bediente sich die Stadt 
seiner und seines obengenannten Bruders, des Brixener Dom 
herrn Anton Paumgartners, Vermittlung, als sie im Jahre 1482 
ein an das Brixener Domkapitel jährlich zu zahlendes Ewiggeld 
von 110 fl durch 2750 fl ablöste 2 ). Ein Geschäft anderer Art, 
das bereits auf Beziehungen zu Rom hinweist, machte er für 
die Stadt im Jahre 1484. Der Vertreter Augsburgs in Rom, 
Hans Gassei, hatte dort wahrscheinlich von einem Faktor 
Franz Paumgartners 280 Dukaten erhalten. Dafür zahlte die 
Stadt dann an Paumgartner 379 fl 3 ). Es war also ein Wechsel 
geschäft, wie solche damals auch die Fugger mehrmals aus 
führten 4 ). 
Im Jahre 1484 folgte Franz Paumgartners Schwester 
Kunigunde ihrem Bruder nach Augsburg, als sie sich mit Michael 
von Stetten, einem angesehenen Bürger, verheiratete 5 ). Bereits 
im nächsten Jahr 1485 kam dann auch noch Anton Paum 
gartners jüngster Sohn Hans dorthin. Ihm, zweifellos dem 
Bedeutendsten der vier Söhne Antons, gelang es durch eine 
vornehme Heirat, engere Beziehungen zum Augsburger Patriziat 
anzuknüpfen. Er vermählte sich nämlich im Jahre 1485 mit 
Felizitas Rehlinger, der Tochter Leonhard Rehlingers 6 ). Einem 
alten reichen Geschlecht entsprossen, brachte sie ihrem Gatten 
gewiss ein ansehnliches Vermögen zu. Als Gemahl einer Pa 
trizierstochter fand Hans Paumgartner auch Aufnahme in die 
*) Die städtische Verfassung Augsburgs im ausgehenden Mittelalter 
unterscheidet sich bekanntlich von der Nürnbergs dadurch, dass in 
Augsburg die Zünfte im Jahre 1368 Anteil an der Regierung des Gemein 
wesens erhielten, wogegen Nürnberg stets ein rein aristokratisches 
Regiment hatte. In Augsburg war daher der Zugang zum Patriziat 
nicht mit der Aufnahme in den Rat verbunden. Die Patrizier bildeten 
vielmehr eine streng abgeschlossene Kaste, in die Neuaufnahmen vor 
dem Jahr 1538 überhaupt nicht stattfanden. Jeder Bürger, der nicht zum 
Patriziat gehörte, musste Mitglied einer Zunft sein. 
2 ) Baumeisterbuch 1482 fol. 86. 
3 ) Ebenda 1484 fol. 37, 38. 
4 ) Jansen, Anfänge S. 52. 
6 ) F. Warnecke: Augsburger Hochzeitsbuch, Berlin 1886 S. 9. 
•) Ebenda S. 10.
	        
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