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Zeitschrift für die ges. Staatswissensch. Ergänzungsheft 20.
Die Einführung eines Differentialzolles Hesse sich nur in der
Weise denken, dass der Zoll für raffiniertes Oel bestehen bliebe
und der für Rohöl ermässigt würde.
Schwierig wäre hier schon, das richtige Verhältnis zu finden.
Denn wie schon S. 19 erwähnt, weisen die einzelnen Rohöle er
heblich verschiedene Leuchtölquoten auf; die höchste das ameri
kanische (ausser dem texanischen), dessen Inlandsrafifination sich
also relativ am meisten rentieren würde. Aber dessen Produktion
ist durchaus vom Trust abhängig, so dass also das Verhältnis
tatsächlich dasselbe bleiben würde.
Der Zollausfall wird dadurch wettgemacht, behauptet man,
dass die Raffination im Inlande geschieht, inländische Arbeits
kräfte also lohnende Beschäftigung finden. Dem ist entgegenzu
halten, dass der ganze Reinigungsprozess nur ein Minimum von
menschlichen Arbeitskräften erfordert und dass ferner der ev. Ge
winn der Fabriken in die Tasche ihrer ausländischen Besitzer
fliesst. Hinzukommen würde, dass durch eine grössere inländische
Rohölverarbeitungsindustrie (Rückstände, Schmieröle!) eine neue
unliebsame Konkurrenz der deutschen Braunkohlen- und auch der
eigenen deutschen Petroleumindustrie geschaffen würde, die so
wieso schon infolge höherer Gestehungskosten nur schwer mit der
ausserdeutschen Industrie in Wettbewerb treten kann.
Andererseits würde der Zollertrag ganz bedeutend zurückgehen.
Als dem Einfuhrzoll unterliegender Artikel rangiert Petroleum nur
hinter Weizen und Kaffee und steht weit über dem viertbedeutendsten
Artikel, dem Tabak 1 ). Die Zollgefälle betrugen in Millionen Mark:
1880
16,0
1893 :
46,3
Prozente der
1881
21,9
1894 :
47,4
Gesamt-Zoll-
1882
1883
20,6
22,2
1S95 :
1896 :
49,0
51,1
Einnahmen.
1884
27,8
1897 :
55,3
11,6
1885
28,9
1898:
56,4
10,9
1886
26,4
1899 :
56,8
11,2
1887
30,6
1900 :
58,3
11,2
1888
33,9
1901 :
57,8
10,8
1889
37,9
1902 :
S»,7
10,9
1890
39,3
1903:
61,3
11,0
1891
42,0
1904:
62,1
n,3
1892 :
45 >3
l) Es betrugen die Zollerträge von
Weizen Kaffee Tabak
1901 : 75,0 Mill. 68,6 Mill. 52,2 Mill.
1902 : 72,7 » 68,3 » 52,4 »
1903 : 67,9 » 72,4 » 53,9 »
1904 : 71,0 » 71,6 » 56,1 »